Unterbewusstsein verrät Todesabsicht - wissenschaft.de
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Unterbewusstsein verrät Todesabsicht

Mit Hilfe eines psychologischen Standardtests können Selbstmordabsichten offenbart werden, was unter Umständen einem Freitod vorbeugt. Zu diesem Schluss sind US-Forscher gekommen, nachdem sie den sogenannten Impliziten Assoziationstest mit Patienten einer psychologischen Notfallaufnahme durchgeführt hatten. Nach Auswertung der Daten versuchten die Wissenschaftler vorherzusagen, welche Patienten Selbstmordgedanken hegten. Das gelang ihnen auch, wie sich herausstellte, als sie nach sechs Monaten überprüften, ob einige der Patienten in der Zwischenzeit tatsächlich einen Selbstmordversuch unternommen hatten, berichten Matthew Nock von der Harvard University in Cambridge und seine Kollegen.

Nicht nur Familienangehörige von Selbstmördern beschäftigt die Frage, ob der Freitod nicht irgendwie zu verhindern gewesen wäre und ob man die Absichten der Betroffenen nicht hätte erkennen müssen. Dies ist nach Ansicht von Psychologen jedoch nahezu unmöglich, da Selbstmordgedanken meist selbst kurz vor der Tat noch verneint oder heruntergespielt werden ? teils aus Angst vor der Verhinderung der Tat, oft aber auch, weil sich die Betroffenen selbst erst spät über ihre Absichten klar werden.

Das könnte nun anders werden und zwar mit Hilfe des Impliziten Assoziationstests. Bei diesem psychologischen Standardtest bekommen die Probanden auf einem Bildschirm Begriffe gezeigt und müssen diese ohne nachzudenken in Beziehung zu sich selbst setzen. Auf diese Weise können unterbewusste Gedanken und Einstellungen offengelegt werden. Im Test von Nock und seinen Kollegen blitzte also beispielsweise das Wort ‚Leben‘ auf oder andere, die damit in Verbindung standen wie etwa ‚Atmen‘. Alternativ wurden Begriffe wie ‚Tod‘ oder ‚Selbstmord‘ abgefragt. Die Probanden mussten nach jedem Wort blitzschnell entweder den „Ich“- oder den „Nicht-ich“-Knopf drücken.

Nachdem die Forscher eine Einschätzung der Teilnehmer anhand deren Testergebnissen vorgenommen hatten, überprüften sie ihre Vorhersagen: Einmal anhand von Krankenakten und Angehörigenbefragungen, einmal sechs Monate später auf eventuell stattgefundene Selbstmordversuche hin. Signifikant mehr Patienten, die sich selbst besonders häufig mit den Tod-assoziierten Begriffen in Verbindung gebracht hatten, unternahmen tatsächlich einen Selbstmordversuch ? im Vergleich mit den Patienten, die sich eher mit ‚Leben‘ verbunden gefühlt hatten. Bemerkenswerterweise seien dabei auch Menschen als potenzielle Selbstmörder entlarvt worden, bei denen zuvor keine typischen Alarmsignale wie etwa Depressionen oder vorherige Selbstmordversuche aufgetreten waren. Wie Nock gegenüber ddp sagte, hätten seine Kollegen und er den Patienten die ersten Befragungsergebnisse nicht mitgeteilt. Sie seien nicht sicher gewesen seinen, ob ihre Voraussagen sich als richtig erweisen würden und hätten daher niemanden unnötig beunruhigen wollen.

Matthew Nock (Harvard University, Cambridge) et al.: Psychological Science, Bd. 21, Nr. 4, S. 511, doi: 10.1177/0956797610364762 ddp/wissenschaft. de ? Mascha Schacht
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