Unterirdisches Wüstenparadies - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Unterirdisches Wüstenparadies

Die Tierwelt Australiens ist ohne Frage exotisch: Kängurus, Koalabären oder Schnabeltiere gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. In unterirdischen Wasserbecken in Westaustralien haben Forscher um Bill Humphreys vom Western Australian Museum in Perth nun weitere einzigartige Lebensgemeinschaften entdeckt, berichtet das britische Nachrichtenmagazin New Scientist.

Im wüstenhaften westaustralischen Plateau gibt es zahlreiche Kalkvorkommen. In einer Trockenzeit vor 30 Millionen Jahren haben Flüsse das helle Gestein abgelagert. Als es später wieder feuchter wurde, grub das Wasser kleine Hohlräume und Kanäle in den Kalk. Als die Gegend vor zehn bis fünfzehn Millionen Jahren endgültig austrocknete, boten die unterirdischen Tümpel eine Rückzugsmöglichkeit für Kleinstlebewesen wie Flohkrebse, Muschelkrebse, Asseln, Würmer, Schnecken und aquatische Insekten. Bis heute: „Die Vielfalt im Untergrund ist unglaublich“, sagt Terry Finston, eine Biologin von der University of Western Australia in Perth. In den Wüstentümpeln sind zum Beispiel genauso viele Muschelkrebs-Arten zu finden wie im riesigen Baikalsee. Besonders spektakulär: Die australischen Forscher haben an die hundert Arten von Schwimmkäfern entdeckt.

Durch ihr Leben unter der Erde haben einige bizarre Formen entwickelt. Verwandtschaftsverhältnisse mit oberirdischen Arten können die Forscher daher nur durch genetische Analysen klären, heißt es im New Scientist. Dabei stellte sich heraus, dass einige der Tiere schon seit Millionen Jahren im Untergrund leben.

Außerdem sind die Forscher auf einige lebende Fossilien gestoßen, zum Beispiel auf primitive Krustentiere aus der Familie der Spelaeogriphacea. Die einzigen lebenden Verwandten der Art leben in Südafrika und Brasilien. Die Vorfahren der Krebse lebten vor mehr als 200 Millionen Jahren auf dem Superkontinent Gondwana. Nach dem Zerbrechen der Landmasse starben die meisten aus, die wenigen Überlebenden wurden über die ganze Welt verstreut.

Obwohl die wässrigen Refugien in der Wüste erst vor kurzem entdeckt wurden, ist das Überleben ihrer Bewohner bereits bedroht: Die Landwirtschaft zapft das Grundwasser an, das die Tümpel auffüllt, und Bergwerksgesellschaften würden am liebsten den Grundwasserspiegel in der ganzen Region absenken, um besser an wertvolle Metallvorkommen im Erdboden heranzukommen. Derzeit beteiligen sich Rohstoffproduzenten wie BHP Billiton allerdings an der Erforschung der unterirdischen Biotope: In Australien ist es per Gesetz verboten, Arten auszurotten.

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Ute Kehse
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