Eingeschleppte Wasserfrösche verdrängen heimische Kröten Verdrängungskampf am Weiher - wissenschaft.de
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Eingeschleppte Wasserfrösche verdrängen heimische Kröten

Verdrängungskampf am Weiher

Seefrosch
Der Seefrosch wurde nach Mitteleuropa eingeschleppt. (Foto: Christoph Buehler)
Problem-Lurche auf dem Vormarsch: Nach Mitteleuropa eingeschleppte Wasserfrösche machen offenbar zunehmend heimischen Kröten wie der Gelbbauchunke und der Geburtshelferkröte zu schaffen. Sie werden überall dort seltener, wo sich die invasiven Wasserfrösche ausbreiten.

Die Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen verändern sich im Laufe der Zeit ständig – unter anderem, weil neue Arten von außerhalb hinzukommen und die etablierten Ökosysteme kräftig durcheinanderwirbeln. Nicht selten geschieht dies, weil der Mensch fremde Arten eingeschleppt hat oder gezielt in einem neuen Gebiet freisetzt. Manchmal hat das zur Folge, dass sich die neue Art rasend schnell ausbreiten kann und etablierte Spezies dabei verdrängt.

Invasion der Wasserfrösche

Unter den Amphibien Europas gehören vor allem Wasserfrösche zu den erfolgreichen Invasoren. Vor allem der ursprünglich in Osteuropa beheimatete Seefrosch ist in Mitteleuropa inzwischen dominant. Schuld daran ist auch hier der Mensch, denn diese Froschart wurde seit den 1960er Jahren für den menschlichen Verzehr nach Mitteleuropa importiert und gelangte dann in die Freiheit.

Aber welche Folgen hatte dies auf die heimischen Frösche und Kröten? Um das herauszufinden, haben Tobias Roth, Christoph Bühler und Valentin Amrhein von der Universität Basel nun Daten von über 1.000 Gewässern im Schweizer Kanton Aargau ausgewertet. Mit Hilfe eines statistischen Modells prüften sie zudem, wie gut die Beobachtungen die tatsächliche Verbreitung widerspiegeln.

Fünfmal weniger heimische Kröten

Das Ergebnis: Zumindest einige heimische Amphibien haben bereits unter den sich ausbreitenden Wasserfröschen gelitten. Vor allem Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte haben bedeutend kleinere Bestände, wenn am selben Gewässer auch Wasserfrösche vorkommen. „Aufgrund unserer Analyse schätzen wir, dass die Bestände beider Arten ohne Wasserfrösche mindestens fünfmal größer wären“, sagt Bühler.

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Hinzu kommt, dass menschengemachte Veränderungen der Landschaft den Wasserfröschen entgegenkommen, die Kröten aber benachteiligen: „Kleine und schnell trockenfallende Gewässer, die von Wasserfröschen eher gemieden, aber von anderen Arten gesucht werden, sind heute selten“, erklärt Amrhein. „Die Ausbreitung von invasiven Arten wird oft durch menschliches Handeln bewusst oder unbewusst gefördert und kann nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden.“

Eingreifen oder nicht?

Wenn eine solche Konkurrenzsituation durch menschlichen Einfluss zustande kommt, müssen Naturschützer entscheiden, ob sie regulierend eingreifen sollen. Da der Einfluss des invasiven Seefrosches auf die Bestände einheimischer Arten groß ist, könnten einzelne Aktionen gegen den dominanten Frosch aus Naturschutz-Perspektive durchaus sinnvoll sein, wie die Forscher erklären. Denn das könnte helfen, die Bestände einheimischer Arten zu fördern.

Aber leider ist das nicht so einfach. Denn im Falle der Frösche ist es nicht der Seefrosch alleine, der für die Konkurrenz sorgt. Durch die Kreuzung zwischen Seefröschen und einheimischen Amphibien sind auch neue, nahe verwandte Wasserfrosch-Arten entstanden, die sich ebenfalls invasiv verhalten. Aber aufgrund des durchmischten Erbmaterials kann man sie nicht mehr eindeutig als gebietsfremd bezeichnen. Möglicherweise bleibt hier nichts übrig als zu akzeptieren, dass der Mensch hier unwiderruflich in die Evolution eingegriffen hat.

Quelle: Universität Basel, Fachartikel: American Naturalist, doi: 10.1086/685095

© natur.de – Nadja Podbregar
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