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Vererbte Höhepunkte

Ob und wie häufig eine Frau einen sexuellen Höhepunkt erlebt, hängt zumindest teilweise von ihren Genen ab. Diesen Schluss ziehen britische Forscher nach der Auswertung einer großen Studie mit mehr als 600 eineiigen und über 700 zweieiigen Zwillingspaaren. Demnach ist die Orgasmushäufigkeit beim Geschlechtsverkehr zu etwa einem Drittel genetisch bedingt. Bei der Selbstbefriedigung spielen die Gene sogar noch eine größere Rolle.

Orgasmusstörungen sind bei Frauen relativ häufig. Liegt keine organische Ursache wie Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion vor, werden sie meist auf kulturelle, soziale oder psychologische Faktoren zurückgeführt. Spector und seine Kolleginnen vermuteten jedoch, dass auch eine erbliche Komponente an solchen Störungen beteiligt sein könnte. Um das zu untersuchen, verglichen die Forscher die Häufigkeit, mit der Orgasmusstörungen auftreten, bei eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren. Der Vorteil einer solchen Studie: Eineiige und zweieiige Zwillinge unterscheiden sich lediglich durch den Grad der genetischen Übereinstimmung, während kulturelle und die soziale Faktoren wegen des gemeinsamen familiären Hintergrundes sehr ähnlich sind.

Die Forscher baten die Teilnehmerinnen, auf einem Fragebogen einige Fragen zu ihrem Sexualleben zu beantworten, unter anderem dazu, wie häufig sie einen Höhepunkt erreichten. Mehr als ein Drittel der Frauen erlebte beim Geschlechtsverkehr nur jedes vierte Mal einen Orgasmus, und 16 Prozent der Teilnehmerinnen erreichte nie einen Höhepunkt, zeigte die Auswertung. Bei der Selbstbefriedigung hatten 21 Prozent der Frauen selten und 14 Prozent nie einen Orgasmus. Beim Vergleich der beiden Gruppen stellten die Forscher jedoch fest, dass die Antworten der Paare bei eineiigen Zwillingen häufiger übereinstimmten als bei zweieiigen ? ein deutlicher Hinweis auf eine genetische Komponente.

Den Berechnungen der Forscher nach ist dieser erbliche Anteil für etwa ein Drittel der Variationen bei der Orgasmusfähigkeit beim Geschlechtsverkehr und für knapp die Hälfte bei der Selbstbefriedigung verantwortlich. Wie genau dieser genetische Anteil aussieht, wissen die Wissenschaftler dabei noch nicht. Sie vermuten jedoch, dass Unterschiede bei der Aktivität von Enzymen und damit der Erregungsfähigkeit, bei Geschlechtshormonspiegeln, bei Rezeptoraktivitäten oder in den Erregungszentren des Gehirns beteiligt sein könnten.

Tim Spector (St. Thomas-Hospital, London) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0308

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