Verhängnisvolle Intimgeräusche - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Verhängnisvolle Intimgeräusche

45525_web.jpg
Wo Fledermäuse jagen, ist Sex für Stubenfliegen buchstäblich ein Risikoakt: Die typischen Laute, die sie bei der Paarung machen, dienen den Jägern nämlich als Positionsangabe für die saftige Doppelmahlzeit. Das haben Forscher um Stefan Greif vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen durch Beobachtungen von jagenden Fransenfledermäusen ( Myotis nattereri) dokumentiert.

In einem Kuhstall wimmelt es meist von Stubenfliegen ( Musca domestica). Da könnte man annehmen, dass Fledermäuse dort wie im Schlaraffenland leben ? doch das ist nicht der Fall: Wenn die Tiere hier nachts jagen, sitzen die tagaktiven Fliegen meist still an der holprigen Decke, wo das Echolotsystem der Fledermäuse sie nicht orten kann. Doch den Untersuchungen der Forscher zufolge können die flatternden Gesellen trotzdem eine Menge Stubenfliegen verspeisen. Sie verlassen sich in diesem Fall aber nicht auf die Echos ihrer eigenen Ultraschalllaute, sondern sie werden gleichsam zu Lausch-Spannern: Die Fliegen treiben es nachts nämlich gern an der Decke und machen dabei verräterische Laute.

Fliegen stöhnen nicht ? sie surren

Um dem nächtlichen Jagdspektakel auf die Spur zu kommen, installierten die Forscher Kameras an der Decke eines Kuhstalls. Dadurch konnten Stefan Greif und seine Kollegen nachweisen, dass die Fledermäuse sich stets gezielt kopulierende Fliegenpaare von der Decke pickten. Um die Vermutung zu überprüfen, dass dabei die Laute der Fliegenpaare den Fledermäusen als Signal dienen, zeichneten die Wissenschaftler die Geräusche zunächst auf. Es handelt sich dabei um ein charakteristisches zartes Surren, das die Insekten bei der Paarung mit den Flügeln erzeugen. Die Aufnahmen dieser Intimgeräusche spielten die Biologen anschließend den Fledermäusen vor. Sie benutzten dazu kleine Lautsprecher, die sie im Kuhstall installiert hatten.

Die Kameraaufnahmen dokumentierten dann tatsächlich, wie die Fledertiere die Geräuschquellen attackierten, so als ob sie ein dort sitzendes Fliegenpaar schnappen wollten. Veränderten die Forscher das Geräusch, blieben die Jagdversuche auf die Lautsprecher dagegen aus. Auch geräuschlose Attrappen von ?Fliegen-Liebespaaren? weckten das Interesse der Fledermäuse nicht. Auf einer hubbeligen Kuhstall-Decke versagt offenbar das berühmte Echolotsystem der Fledermäuse. Sie können ihre Opfer also nur erkennen, wenn diese selbstständig Laute erzeugen, erklären die Forscher. ?Vermutlich sind die Insekten bei ihrer pikanten Tätigkeit noch dazu unaufmerksam?, sagt Stefan Greif. ?Fliegen-Sex ist eben eine riskante Angelegenheit?, resümiert der Biologe.

Anzeige

Stefan Greif (Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen) et al.: Current Biology, Vol 22 No 14 R564 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

lo|xo|go|nal  〈Adj.; Math.〉 schiefwinklig [<grch. loxos ... mehr

Tröpf|chen|in|fek|ti|on  〈f. 20〉 häufigste Form der Infektion, wobei die Krankheitskeime durch Tröpfchen (beim Niesen, Husten) übertragen werden

Vul|ka|ni|sa|ti|on  〈[vul–] f. 20〉 das Vulkanisieren

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige