Vernunft statt Gefühl - dank Arbeitsspeichererweiterung - wissenschaft.de
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Vernunft statt Gefühl – dank Arbeitsspeichererweiterung

Erwachsene handeln rationaler als Teenager und Kinder, weil ihrem Gehirn bei Entscheidungen zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung stehen. So nutzen Heranwachsende in einer Stresssituation hauptsächlich drei Gehirnbereiche, während bei Erwachsenen vier Areale die Reaktionen steuern. Das haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt. Die zusätzlich aktivierte Hirnregion sorgt ihrer Ansicht nach dafür, dass Informationen im gehirninternen Arbeitsspeicher geordneter abgespeichert werden und damit kontrolliertere Entscheidungen getroffen werden können. Beatriz Luna von der Universität von Pittsburgh und ihre Kollegen stellten ihre Ergebnisse auf dem Jahrestreffen der Gesellschaft für Neurowissenschaften in San Diego vor.

Im gehirneigenen Arbeitsspeicher werden Informationen bereitgehalten, die für den sofortigen Gebrauch bestimmt sind und wie beim RAM-Arbeitsspeicher im Computer nur vorübergehend aufbewahrt werden. Um mehr über dessen Funktion herauszufinden, baten die Wissenschaftler zwanzig Freiwillige im Alter von acht bis dreißig Jahren, sich die Position eines Lichtpunktes auf einem Bildschirm zu merken. Zehn Sekunden später sollten die Probanden dann angeben, wo sich der Lichtpunkt ihrer Meinung nach befunden hatte. Dieser Zeitraum ist so kurz, dass die Teilnehmer weder ihr Kurz- noch ihr Langzeitgedächtnis nutzen konnten, sondern sich auf die Informationen in ihrem Arbeitsspeicher verlassen mussten.

Während dieser Aufgabe zeichneten die Forscher die Gehirnaktivitäten der Testpersonen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRI) auf. Kinder nutzten dabei lediglich Bereiche des Stirn- und des Scheitellappens ihres Gehirns, ergab die Auswertung. Bei Heranwachsenden war zusätzlich der so genannte vordere cinguläre Cortex aktiviert, und bei Erwachsenen wurden diese aktiven Areale noch durch den mittleren Schläfenlappen ergänzt.

Dieses Ergebnis zeige, wie sich die Fähigkeit zur bewussten Kontrolle des Verhaltens im Lauf des Lebens verändere und verbessere, kommentieren die Wissenschaftler. Die Zuschaltung des Schläfenlappens im Erwachsenenalter führt ihrer Ansicht nach dazu, dass die im Arbeitsspeicher abgespeicherten Daten schon vorbearbeitet werden und damit länger verfügbar und klarer strukturiert sind. Anders sei es bei Kindern und Jugendlichen, schreiben die Wissenschaftler. Da diese noch keinen Zugang zu den erweiterten Gehirnbereichen hätten, basierten ihre Entscheidungen auf undurchdachten Informationen und seien daher oft impulsiv und irrational.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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