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Verrat am Krebs

Die Vorhersage der Metastasenbildung bei Brustkrebs dürfte bald zuverlässiger werden. US-Wissenschaftler haben Gewebe von Patientinnen genauer untersucht, bei denen sich der Brustkrebs in die Lymphknoten ausgebreitet hatte. Dabei haben sie festgestellt, dass die Gene der Tumorzellen und spezieller Zellen in den Lymphknoten der Achselhöhlen auf ähnliche Weise verändert waren. Danach sind genetische Veränderungen des Lymphknotengewebes der Achseln ein früher Hinweis auf eine bestehende oder drohende Metastasenbildung in den Lymphknoten und im übrigen Körper. Bei Brustkrebsoperationen wird bisher nach Lehrbuch ein Achsel-Lymphknoten auf Krebszellen hin überprüft, wobei die Methode als nicht sensitiv genug gilt: Oft werden keine bösartigen Zellen gefunden und trotzdem breitet sich der Krebs weiter im Körper aus.

Ob sich die Brustkrebszellen von ihrem Entstehungsort lösen und an anderen Stellen im Körper Ableger bilden, ist für den Verlauf der Krankheit entscheidend. Als erstes finden sich dabei die Metastasen in den benachbarten Lymphknoten in der Achselhöhle. Während einer Krebsoperation wird dieses Risiko durch einen routinemäßigen Test beurteilt: Das Operationsteam entfernt einen Lymphknoten in der Achselhöhle und untersucht ihn danach unter dem Mikroskop auf Krebszellen. Da der Test aber nicht sehr zuverlässig ist, suchten die Forscher nun nach Alternativen, um das Streuungsrisiko frühzeitig zu erkennen. Dazu führten sie bei 15 Brustkrebs-Patientinnen mit Metastasen in den Lymphknoten genetische Untersuchungen der Tumorzellen in der Brust und der Lymphknotenzellen durch.

Dabei zeigte sich, dass die Zellen aus Brust und Achselhöhlen jeweils auf sehr ähnliche Art genetisch verändert waren. Speziell zwei Gene waren betroffen: BRCA1, ein Gen, das die Tumorbildung unterdrückt, und das Gen Her2neu, das Zellwachstum anregt ? was im Extremfall zu Krebs führen kann. Die Wissenschaftler nehmen an, dass bei einer Ausbreitung des Krebses diese Gene in den Zellen der Lymphknoten bereits sehr früh modifiziert werden, und zwar noch bevor der herkömmliche Test Krebszellen feststellen kann. „Wenn diese genetischen Marker tatsächlich zuverlässig auf eine Metastasenbildung in der Achselhöhle hinweisen, dann können wir eine spätere Ausbreitung in einem frühen Stadium der Krebserkrankung erkennen und die Patientinnen dann dementsprechend behandeln“, berichtet Cavalli. Die Wissenschaftler überprüfen ihre Resultate nun in einer Studie an weiteren Patientinnen.

Luciane Cavalli (Georgetown Lombardi Comprehensive Center, Washington) et al.: Vortrag auf dem Jahreskongress American Association for Cancer Research ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander
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Chlor  〈[klor] n. 11; unz.; chem. Zeichen: Cl〉 chem. Element, gelbgrünes, stechend riechendes Gas, das in der Natur nicht frei vorkommt [<grch. chloros ... mehr

Amau|ro|se  〈f. 19; Med.〉 = schwarzer Star2  [zu grch. amauros ... mehr

Eich|horn  〈n. 12u; Zool.〉 = Eichhörnchen

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