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Verseuchte Milch aus dem Internet

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Muttermilchproben im Labor (Nationwide Children's Hospital)
Nicht jede Mutter kann oder will ihr Kind stillen. Soll das Kleine trotzdem in den Genuss von echter Muttermilch kommen, blieb einst nur der Gang zur Milchbank. Heutzutage hilft auch ein Blick ins Internet: Dort hat sich der Handel mit Muttermilch besonders in den USA zu einem boomenden Geschäft entwickelt. Doch mit der Milch aus unbekannter Quelle tut man seinem Kind häufig nichts Gutes – im Gegenteil: Forscher haben festgestellt, dass viele Lieferungen aus dem Web mit Krankheitserregern verunreinigt sind.

Uns erscheint es eher skurril, aber in den USA ist das keine Seltenheit: Wer die Anzeigen auf „Only the Breast“ und ähnlichen US-Websites liest, begreift schnell, dass auch der Verkauf von Muttermilch den ganz normalen Gesetzen des Marktes folgt. Wer seine Ware loswerden möchte, muss sie entweder zu Dumpingpreisen anbieten oder kräftig die Werbetrommel rühren. Manche Mütter prahlen, wie prächtig der eigene Nachwuchs gedeiht. Andere behaupten, sich nur von Bio-Lebensmitteln zu ernähren oder gar vegetarisch zu leben. Bis zu sieben Dollar sind mit 100 Gramm Muttermilch im Netz zu verdienen.

Der selbstverständliche Umgang mit der Milch als Ware lässt schnell vergessen, dass es sich dabei nicht um ein Produkt wie jedes andere handelt. Zwar fördert Muttermilch die Darmentwicklung, bringt das Immunsystem der Neugeborenen auf Trab und beugt so etwa Infektionen mit Krankenhauskeimen vor. Doch das empfindliche Produkt ist auch anfällig für Verunreinigungen, kann Erreger und Medikamentenrückstände aus dem Körper der Mutter enthalten. In Deutschland wurden die meisten Muttermilchbanken in den 1970er Jahren geschlossen, als sich herausstellte, dass HI-Viren durch das Stillen übertragen werden können.

Heute existieren auch hierzulande wieder einige Milchbanken; dort werden alle Spenderinnen eingehend untersucht. Die Milch wird auf Keime getestet, umgehend schockgefroren oder pasteurisiert, um alle Erreger abzutöten. All diese Sicherheitsvorkehrungen entfallen beim Verkauf übers Netz. Forscher des Childrens‘ General Hospital in Columbus haben nun 101 Lieferungen Muttermilch getestet, die sie im Internet bestellt hatten. In mehr als drei Vierteln der Proben fanden sie potenziell krankmachende Bakterien.

Fäkalkeime in der Muttermilch

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„Wir waren überrascht, dass viele Proben solch eine große Menge an Bakterien, ja sogar Verschmutzungen durch Fäkalien enthielten – verursacht vor allem durch mangelnde Handhygiene“, sagt Sarah Keim. Sie ist Erstautorin der Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Pediatrics“ erschienen ist. „Andere schädliche Bakterien sind möglicherweise durch die Verwendung schmutziger Behälter oder unhygienischer Milchpumpen-Teile in die Milch gelangt.“

19 Prozent der Verkäufer verschickten die Milch gar vollkommen ungekühlt.  64 Proben enthielten Staphylokokken, in 36 Proben entdeckten die Forscher Streptokokken. Drei Proben waren gar mit Salmonellen verseucht. Ob die Kinder durch den Verzehr der Milch tatsächlich krank geworden wären, sei schwer zu sagen, räumt Keim ein. Allerdings greifen vor allem Mütter von zu früh geborenen oder kranken Kindern auf Milchspenden zurück. Die Immunabwehr dieser Babys ist ohnehin sehr schwach, so dass Erreger in der Nahrung ein besonderes Risiko darstellen.

Die Forscher hatten sich nicht die vertrauenswürdigsten Spenderinnen ausgesucht – sie antworteten nur auf Anzeigen von Frauen, die nicht mit dem Käufer telefonieren wollten und keinerlei Informationen über dessen Kind verlangten. Keim warnt allerdings generell davor, Muttermilch im Web zu kaufen: „Die Empfänger können nicht mit Sicherheit sagen, was mit der Milch gemacht wurde, ob sie schädliche Medikamente enthält, oder ob die Auskünfte, die der Verkäufer über seinen Gesundheitszustand gibt, wahr sind.“ Wer Pech hat, schadet seinem Kind trotz bester Absichten.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nora Schlüter
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