Verwilderte Palmen in Mitteleuropa - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Verwilderte Palmen in Mitteleuropa

Hanfpalmen
Verwilderte Hanfpalmen an einem Waldrand im Tessin. (Bild: Brigitte Marazzi)

Eigentlich kennt man Palmen nur aus dem Mittelmeerraum oder den Tropen. Aber inzwischen wachsen verwilderte Palmen sogar in Österreich, wie Biologen festgestellt haben. An sechs Standorten hat sich die aus Ostasien stammende Chinesische Hanfpalme dort vermehrt und übersteht sogar den Winter. In der Schweiz wächst die Hanfpalme sogar schon als Unterholz in Wäldern. Nach Ansicht der Forscher ist dies eine klare Folge des Klimawandels.

Der Klimawandel verändert zunehmend auch die Flora und Fauna in Europa. Durch die heißeren, trockeneren Sommer leiden beispielsweise viele heimische Baumarten vermehrt unter Trockenstress und können sich an manchen Standorten nicht mehr halten. Die milderen Winter dagegen fördern die Ausbreitung wärmeliebender Tier- und Pflanzenarten nach Norden. Viele dieser Neuankömmlinge wurden unabsichtlich eingeschleppt, andere dagegen wurden zunächst als exotische Haustiere gehalten oder im Fall von Pflanzen als Ziergewächse in Gewächshäusern, Botanischen Gärten oder Parks kultiviert.

Siegeszug der Hanfpalme

Ein Beispiel für solche wärmeliebenden Exoten sind Palmen. Sie gelten als Sinnbild tropischer und subtropischer Länder und sind in Europa bisher mit zwei Arten auf das Mittelmeergebiet beschränkt. Weiter nördlich konnten die Palmen bisher nur an geschützten Standorten oder in Glashäusern überdauern, weil die Winter zu kalt waren. Unter diesen als Ziergewächsen gehaltenen Palmenarten ist besonders die Chinesische Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) beliebt. Diese ursprünglich aus Ostasien stammende Fächerpalme wird bis zu 15 Meter hoch und entwickelt eine dichte Krone mit bis zu 50 Palmwedeln. Im Mittelmeerraum ist sie auch als Wildpflanze inzwischen häufig, nördlich der Alpen jedoch konnte sie sich im Freiland bisher nicht halten.

Das hat sich nun jedoch geändert: In der Schweiz haben sich verwilderte Abkömmlinge der Hanfpalme inzwischen massiv in vielen Wäldern und an Waldrändern auf der Südseite der Berge ausgebreitet. Vor allem im Tessin und am Genfer See überwuchern die Fächer der jungen Palmen inzwischen nahezu alle anderen Pflanzen im Unterholz vieler Wälder. Weil die Hanfpalmen dabei heimische Pflanzen verdrängen und damit auch die Nahrungsquellen für viele Vögel und Insekten gilt das exotische Gewächs in der Schweiz inzwischen als invasive Art. Sie steht auf der Schwarzen Liste der „unerwünschten“ Pflanzenarten.

Erste Vorkommen in Österreich

Jetzt scheint die Hanfpalme ihren „Eroberungszug“ auch in Österreich zu beginnen, wie Franz Essl von der Universität Wien festgestellt hat. „Insgesamt sechs Fundorte verwilderter junger Palmen sind mittlerweile für Österreich bekannt geworden“, erläutert Essl. „Diese Populationen repräsentieren die ersten Vorkommen verwilderter Hanfpalmen in Mittel- und Osteuropa.“ Bislang handele es sich nur um kleine Vorkommen besonders in Städten wie in Wien, und es wurden ausschließlich junge verwilderten Palmen aufgefunden. „Aber in einigen Jahrzehnten könnten Palmen in Österreich schon häufiger verwildert angetroffen werden“, prognostiziert der Forscher.

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Weitere Gebiete, in denen sich die Hanfpalme allmählich ausbreitet, sind das Elsass in Frankreich und einige belgische Städte. Nach Ansicht von Essl ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Exoten sich zukünftig weiter ausbreite und beispielsweise auch in Deutschland auftauchen werden. Als Ursache für die Ausbreitung der Hanfpalme sieht Essl klar den Klimawandel: Die letzten Jahre waren in Österreich bis zu zwei Grad Celsius wärmer als der langjährige Durchschnitt und die milden Winter ermöglichen es der Hanfpalme, auch diese früher zu kalte Jahreszeit zu überstehen. „Die Hanfpalme ist zwar ein Gewinner des Klimawandels, aber gleichzeitig gibt es sehr viele Verlierer“, betont Essl.

(Video: Universität Wien)

Quelle: Universität Wien; Fachartikel: BioInvasions Records, doi: 10.3391/bir.2019.8.3.01

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