Vielsagende Lippenspiele - wissenschaft.de
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Vielsagende Lippenspiele

Kinder, die ihre Lippen lecken, lernen leichter sprechen. Außerdem deutet es auf eine gute Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten hin, wenn Kinder im Alter von knapp zwei Jahren schwierige Handbewegungen nachahmen oder sich beispielsweise einen Bauklotz als Auto vorstellen können. Das stellten Psychologen um Katie Alcock von der Universität in Lancaster fest, die untersuchten, warum manche Kinder schneller sprechen lernen als andere.

Ein Ziel der Forscher war es, Sprachschwierigkeiten von Kindern möglichst früh vorauszusagen, damit so früh wie möglich mit der Förderung begonnen werden kann. Der Hintergrund ist, dass nicht von allen Kindern, die spät zu sprechen beginnen, die sprachlichen Fähigkeiten über längere Zeit hinweg zurückbleiben. Die Wissenschaftler untersuchten dazu bei 120 Sprösslingen die Verbindung von Sprache und Motorik, Denkvermögen und der Fähigkeit, Gehörtes zu verarbeiten. Die beobachteten Kleinkinder waren dabei 21 Monate alt. Dies ist ein Lebensalter, in dem Menschen neue Wörter und Grammatik schneller lernen als in jedem anderen Alter.

Die Forscher nahmen dabei eine halbe Stunde lang alle Wörter auf, die ein Kind und die es beaufsichtigende Person sagten. Diese Aufzeichnungen werteten die Wissenschaftler dann nach dem Umfang der benutzten Wörter und der Länge der Sätze aus. Zudem füllten die Eltern einen Fragebogen zu den Fähigkeiten ihres Nachwuchses aus.

Kinder, die ihren Mund wenig bewegten, wiesen im Durchschnitt ein geringeres Sprachvermögen auf als andere, fanden Alcock und ihre Kollegen heraus. Umgekehrt galt dies allerdings nicht unbedingt. Die Fähigkeit zu Bewegungen wie Laufen und Rennen ist hingegen unabhängig vom Sprechen, fanden die Forscher heraus.

In einer zweiten Gruppe beobachteten die Psychologen das logische Denken der Kinder in Verbindung zu deren Sprache. Diese Probanden sollten Puzzleteile zusammensetzen, zusammenpassende Bilder und Farben finden, die Aufmerksamkeit eines Erwachsenen auf sich lenken und sich einen Gegenstand als etwas anderes vorstellen, wie zum Beispiel eine Schachtel als ein Puppenbett. Dabei hatten Kinder mit guten kognitiven Fähigkeiten und großem Vorstellungsvermögen auch gute Sprachfähigkeiten.

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Die Forscher wollen der Studie nun weitere folgen lassen, wenn die Kinder älter sind. Ziel ist, die besten Indikatoren für Sprachfähigkeiten und -schwierigkeiten zu finden. Dabei müsse auch der Bildungsstand der Eltern, die Umgebung der Kinder und die Anzahl der Bücher, die einem Kind zur Verfügung stehen, berücksichtigt werden, so die Wissenschaftler.

Pressemitteilung des Economic and Social Research Council (ESRC) wissenschaft.de ? Beate Förster
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