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Vielweiberei trotz Treue-Gen

Auch Mäuse, die das so genannte Treue-Gen besitzen, wechseln häufig ihre Partner. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Evolutionsbiologen der Universität Bern um Gerald Heckel. Damit wird eine Untersuchung von US-Forschern widerlegt, die vor zwei Jahren für großes Aufsehen gesorgt hatte.

Die Wissenschaftler um Miranda Lim von der Emory University in Atlanta hatten damals zwei Arten von Wühlmäusen miteinander verglichen: Männchen der polygam lebenden Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) und Männchen der Präriewühlmaus (Microtus ochrogaster), die eine einzige Partnerin bevorzugen. Lim fand im Belohnungszentrum des Gehirns der „treuen“ Präriewühlmäuse einen erhöhten Anteil von Rezeptoren für das Hormon Arginin-Vasopressin. Darauf isolierte sie mit ihrem Team bei beiden Mausarten das Gen, das für die Bildung der Rezeptoren verantwortlich ist. Die Forscher entdeckten, dass es bei den monogam und den polygam lebenden Tieren unterschiedliche Varianten dieses Gens gibt. Als die Gen-Variante der Präriewühlmäuse in das Gehirn der Wiesenwühlmäuse eingeschleust wurde, zeigten diese eine verstärkte Neigung zur Monogamie. Daraus zogen die Wissenschaftler den grundlegenden Schluss, dass bereits ein einziges Gen soziales Verhalten – etwa Treue – steuern kann.

Um das zu überprüfen, analysierte Heckel die DNA von 25 Mausarten, darunter die Europäische Feldmaus (Microtus aryalis), die Erdmaus (M. agrestis) sowie die beiden Arten, die Miranda Lim untersucht hatte. Er fand die monogame Variante des Treue-Gens bei allen untersuchten Tieren – mit Ausnahme der Wiesenwühlmäuse. „Von dem Ergebnis waren wir überrascht“, sagt Heckel, „denn bis auf die Präriewühlmäuse leben alle Nager trotz des ‚positiven‘ Treue-Gens polygam.“ Dies zeige, dass Monogamie bei Säugetieren unabhängig von der geringfügigen Veränderung eines einzigen Gens entstanden sei und einen viel komplexeren Hintergrund habe. Eine simple genetische Programmierung des Paarungsverhaltens wäre gerade für Nagetiere von großem Nachteil, da deren Populations- dichte stark variiert. Außerdem müssten sie ihre Fortpflanzungsstrategie ständig an neue Bedingungen anpassen. Mit Blick auf seine amerikanischen Kollegen meint Heckel: „Sie hätten sich bei ihrer Untersuchung eben nicht auf zwei Arten beschränken sollen.“

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