Viren im Wurmfortsatz - wissenschaft.de
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Viren im Wurmfortsatz

Blinddarmentzündungen könnten die Folge von Virusinfektionen sein, schließen US-Forscher aus einer großen Datenauswertung. Ihre Argumente: Das Auftreten der auch Appendizitis genannten Erkrankung folgte über Jahre hinweg dem gleichen Muster wie die Virusgrippe, die Anzahl der Fälle variiert mit dem Wechsel der Jahreszeiten, und wenn irgendwo ein Fall von Blinddarmentzündung auftritt, ist es wahrscheinlich, dass es kurz darauf im gleichen Gebiet weitere Fälle geben wird. All das spreche eindeutig für eine Infektion als Ursache ? auch wenn das auslösende Virus bisher nicht identifiziert werden konnte.

Obwohl die sogenannten Blinddarmentzündungen, bei denen sich eigentlich der Wurmfortsatz im rechten Unterbauch entzündet, extrem häufig sind, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wie sie entstehen. Nach aktueller Lehrmeinung ist eine Verstopfung des kleinen Fortsatzes der Grund für die Entzündung, ausgelöst entweder durch das Anschwellen der vielen Lymphfollikel in der Darmschleimhaut oder durch einen Fremdkörper wie etwa einen Kirschkern oder einen Kotstein. Allerdings gibt es bereits seit längerem vermehrt Hinweise darauf, dass die ursprüngliche Ursache eine Infektion des kleinen Darmanhängsels ist. Als wahrscheinlichste Erregerkandidaten gelten dabei verschiedene Viren.

Um weitere Indizien für oder gegen diese These zu finden, analysierten Adam Alder und sein Team jetzt Abschlussberichte aus amerikanischen Krankenhäusern aus den Jahren 1970 bis 2005. Erfasst wurden dabei alle Fälle von Appendizitis sowie verschiedene Viruserkrankungen, darunter Influenza-Fälle und Magen-Darm-Infektionen. Bei der Auswertung habe sich unter anderem eine deutliche Parallele zwischen der Grippe und den Blinddarmentzündungen gezeigt, berichten die Forscher: Bis ins Jahr 1995 seien die Fallzahlen beider Erkrankungen stetig zurückgegangen, während sie seit 1995 kontinuierlich steigen. Zusammenhänge mit einem der anderen Viren konnten die Wissenschaftler dagegen nicht identifizieren.

Zwar sei es unwahrscheinlich, dass das Influenza-Virus die Blinddarmentzündungen direkt verursache ? schließlich falle die Grippewelle immer in den Winter, während die Entzündungen eher im Sommer auftreten, schreiben die Forscher. Sie halten es jedoch für wahrscheinlich, dass es einen gemeinsamen Faktor gibt, der beide Erkrankungen beeinflusst.

Überraschenderweise sei die Zahl der Fälle, bei denen es einen Blinddarmdurchbruch gab, einem völlig anderen Muster gefolgt als die Gesamtzahl der Erkankungen, merken die Forscher noch an. Es könne also durchaus sein, dass es sich bei den Entzündungen mit und ohne Durchbruch um völlig unterschiedliche Erkrankungen handelt und dass ein Durchbruch nicht zwangsläufig einer normalen Entzündung folgt. Sollte sich das bestätigen, müsste der Ansatz, jede Blinddarmentzündung so schnell wie möglich zu operieren, überdacht werden.

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Adam Alder (University of Texas, Dallas) et al.: Archives of Surgery, Bd. 145, S. 63 ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen
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