Virengrüße aus der Urzeit - wissenschaft.de
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Virengrüße aus der Urzeit

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In zwei Lemuren-Gattungen fanden Forscher Bruchstücke eines uralten Virus, der mit HIV verwandt ist.
Schon vor 4,2 Millionen Jahren infizierte ein Verwandter des Aids-Erregers HIV die Vorfahren heutiger Halbaffen. Spuren dieser Infektionen haben amerikanische Forscher nun im Erbgut zweier Lemurengattungen auf Madagaskar entdeckt und daraus den Aufbau des urzeitlichen Virus rekonstruiert. Sie versprechen sich von dem „fossilen“ Virus neue Erkenntnisse über Ursprung und Entwicklung der Lentiviren, der Virengruppe, zu der auch HIV gehört, sowie über die Beziehung zwischen Virus und Wirt.

Das urzeitliche Virus gehört zu den wenigen bislang entdeckten endogenen Lentiviren. Diesen Viren gelingt es, sich so ins Erbgut des Wirts zu integrieren, dass sie an folgende Generationen weitervererbt werden. Lentiviren verändern sich sehr schnell, dadurch sind die ursprünglichen Erreger schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr erkennbar. Das macht es äußerst schwierig, ihre Entwicklung zurückzuverfolgen.

Für ihre Rekonstruktion der Bausteinabfolge des urzeitlichen Virus griffen Feschotte und seine Kollegen daher nun zu einem Trick: Sie verglichen die DNA von sechs Mausmaki-Arten aus Madagaskar miteinander. Mit Hilfe einer Methode namens Molekül-Uhr-Analyse berechneten sie anhand der veränderten Virusbruchstücke, wie die Fragmente des ursprünglichen Virus ausgesehen haben müssen. Diese setzten sie dann zusammen und vervollständigten so den Erbgutaufbau des Virus.

Dabei machten die Forscher noch eine zweite Entdeckung: Das Virus infizierte vor 4,2 Millionen Jahren nicht nur den Mausmaki, sondern nahezu zeitgleich noch eine weitere Lemuren-Gattung, den Fettschwanzmaki. Das ist nach Ansicht der Forscher ein echter Glücksfall, da endogene Lentiviren sehr selten zu sein scheinen. Die Forscher sehen zwei Erklärungsmöglichkeiten für den doppelten Fund: Entweder waren die Halbaffen besonders anfällig für endogene Lentiviren oder der urzeitliche Erreger war besonders geschickt darin, sich in das Erbgut zu integrieren. Beide Möglichkeiten werfen die Frage nach dem Warum auf und könnten zu neuen Erkenntnissen über Lentiviren wie den HI-Virus führen.

Clément Gilbert (Universität von Texas, Arlington) et al.: PLoS Genetics, Bd. 5, Nr. 3 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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