Vögel mit grünem Daumen - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Vögel mit grünem Daumen

42815_n.jpg
Laubenvogel vor seiner Laube. Credit: University of Exeter
Laubenvogel-Männchen haben eine geradezu romantische Strategie entwickelt, um Weibchen für sich zu gewinnen: Sie empfangen ihre Damen in einer laubenartigen Konstruktion aus geflochtenen Zweigen. Neben Muschelschalen und anderen bunten Objekten schmücken sie diese kuriose Theaterkulisse auch mit Blüten und Früchten. Ein internationales Team aus Biologen konnte nun zeigen, dass rund um den Balzplatz der Laubenvögel ungewöhnlich viele Pflanzen wachsen, die besonders dekorative Früchte tragen. Den Forschern zufolge sprießt dieser ?Garten? aus dem Saatgut der Deko-Früchte, die der Laubenbauer über Jahre hinweg hier angehäuft hat.

Das aufwändige Balzverhalten der Laubenvögel, die in Australien und Neuguinea vorkommen, fasziniert Biologen schon lange: Die männlichen Tiere flechten aus Zweigen einen etwa 0,6 Meter langen Laubengang, der auf einer Seite dem Weibchen einen Zugang bietet und auf der anderen in eine Art Hof mündet. Hier platzieren die Laubenbauer unter anderem Blüten und buntes Obst als Schmuckobjekte. Sitzt das Weibchen in der Laube, hebt das Männchen diese Gegenstände hoch, um sie dem Weibchen zu präsentieren.

Den Forschern um Joah Madden von der Universität Exeter fiel auf, dass um die Balzplätze der Laubenvögel eine spezielle Pflanzenart besonders häufig ist, die violette Blüten und grüne Früchte besitzt, die die Tiere besonders gern als Schmuckstücke nutzen. Eine systematische Untersuchung dieses Zusammenhangs offenbarte dann: Die Laubenvogel-Männchen suchen nicht etwa gezielt diese Standorte für den Laubenbau, sondern der ?Garten? wächst durch die mehrjährige Nutzung als Balzplatz. Die Ursache dafür ist den Forschern zufolge die ?gärtnerische? Tätigkeit der Vögel: Sie werfen alte und verschrumpelte Deko-Früchte einfach mit einer Schleuderbewegung von der Mitte des Balzplatzes und ?sähen? dadurch aus. Die Früchte landen samt ihrer Samen in einem Bereich rund um die Laube, den die Vögel frei von hohen Gewächsen und Unkraut halten. So finden sie ideale Wachstumsbedingungen, was dann letztendlich wieder den Vögeln zugute kommt: Nach einiger Zeit können die Laubenbauer direkt ?vor der Haustür? schöne Blüten und Früchte ernten.

Architekten, Gärtner und sogar Züchter

Die Vögel treffen durch ihr Verhalten sogar eine Art von Zuchtauswahl, sagen Joah Madden und seine Kollegen. Vergleiche zeigten, dass die Früchte der Pflanzen um die Lauben eine besonders intensive Färbung besitzen. Den Forschern zufolge liegt das daran, dass die Vögel gezielt nach solchen Früchten suchen und sie zum Balzplatz tragen. Durch Versuche konnten sie diese Vorliebe für kräftige Farben auch experimentell belegen. Ähnlich wie Gärtner immer die Pflanzen mit den schönsten Eigenschaften weitervermehren, entwickeln auch die Laubenvögel durch ihre Auswahl ?Zuchtformen? ihrer Lieblingspflanzen rund um ihre Lauben.

Anzeige

?Wir glauben nicht, dass hinter dem Verhalten der Tiere eine bewusste Absicht steckt, dennoch hat sich eine Art Kultur der Pflanzen entwickelt?, sagt Joah Madden. So gesehen wäre der Mensch nicht mehr das einzige Wesen, das Pflanzen für Dekorationszwecke nutzt und dazu sogar kultiviert, meinen die Biologen.

Joah Madden (Universität Exeter) et al.: Current Biology, doi:10.1016/j.cub.2012.02.057 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

spar|tie|ren  〈V. t.; hat; Mus.〉 ein Musikwerk, von dem nur einzelne Stimmen vorhanden sind, ~ in Partitur setzen [<ital. spartire ... mehr

Eu|phu|is|mus  〈m.; –; unz.; Lit.〉 überladener Stil der englischen Barockdichtung [nach Euphues, ... mehr

er|for|schen  〈V. t.; hat〉 1 wissenschaftlich ergründen (Land, Vorgang) 2 genau kennenzulernen suchen ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige