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Kurioses aus dem Tierreich

Vogel imitiert Alarm-Geräuschkulisse

Die männlichen Prachtleierschwänze werden erneut ihrem Ruf als klangliche Imitationskünstler gerecht. (Bild: Alex Maisey, University of Wollongong)

„Alarm!“ Bei Gefahr ertönt im Wald eine Kakophonie aus den Warnrufen verschiedener Vögel und hektischen Flatter-Geräuschen. Diese Soundkulisse der Angst imitiert der männliche Prachtleierschwanz mit seiner Stimme bei der Balz und Paarung, berichten Forscher. Vermutlich handelt es sich dabei um einen raffinierten Trick: Die einschüchternde Klangillusion veranlasst die Weibchen wahrscheinlich zum Stillhalten, erklären die Wissenschaftler.

Wie viele Vogelmänner beeindrucken auch die Männchen des Prachtleierschwanzes (Menura novaehollandiae) ihre Herzensdamen durch Gesang und Tanz. Die Showstars der australischen Wälder zeichnen sich dabei allerdings durch ein besonderes Talent aus: Neben den arttypischen Tonfolgen erzeugen sie auch Klangimitationen der Stimmen anderer Vögel und Tiere sowie von Umweltgeräuschen. Sogar das Klicken von Fotoapparaten und das Rattern von Motorsägen können sie erstaunlich akkurat reproduzieren, was sie zu Promis der australischen Vogelwelt gemacht hat.

Skurrile Klangillusion

Diese skurrilen Vögel stehen bereits seit einiger Zeit im Fokus der Forscher um Anastasia Dalziell von der Cornell University in Ithaca. Wie sie nun berichten, fiel ihnen im Rahmen von Untersuchungen des Balzverhaltens der Leierschwänze ein erstaunliches Klangmuster auf: Die Männchen gaben manchmal anstatt der typischen metallischen Tonfolgen ein eher unangenehmes Getöse von sich. Wie sich herausstellte, handelt es sich um eine Imitation des Klangmusters, das im Lebensraum der Prachtleierschwänze erklingt, wenn die dortige Vogelgemeinschaft durch eine Bedrohung in Aufregung versetzt wird.

Wie die Forscher berichten, ahmen die gefiederten Imitationskünstler die Mischung von Alarmrufen verschiedener Vogelarten nach und runden die Illusion sogar durch eine stimmliche Wiedergabe der hektischen Flattergeräusche ab. „Bisher galt, dass es beim Nachahmungsverhalten im Tierreich drei Protagonisten gibt: einen Nachahmer, einen Adressaten und ein Modell. Aber hier haben wir ein Beispiel dafür, dass ein Individuum – ein männlicher Leierschwanz – eine ganze ökologische Szene nachahmt, die mehrere Individuen und mehrere Arten umfasst, die gleichzeitig Geräusche erzeugen“, sagt Dalziell.

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Wie genaueren Beobachtungen zeigten, lassen die Prachtleierschwänz-Männchen die skurrile Klangillusion offenbar gezielt dann ertönen, wenn die Weibchen sich ihrem Balzverhalten entziehen wollen. Vor allem begleitet das Geräusch aber die Kopulation selbst. „Es zeichnete sich schließlich ab, dass das Nachahmen der klanglichen Panik-Reaktionen während der Kopulation bei den Prachtleierschwänzen die Regel zu sein scheint“, sagt Dalziell.

Sound: Ein Prachtleierschwanz-Männchen imitiert das panische Getöse im Wald bei Gefahr. (Credit. Dalziell et al./Current Biology)

Hinterhältige Hinhaltetaktik

Doch warum beschallen die Vogelmännchen ihre Herzensdamen mit diesem angsteinflößenden Getöse? Plausibel erscheint, dass es sich um eine Hinhaltetaktik handelt – die Weibchen sitzen gleichsam in einer sensorischen Falle, erklären die Wissenschaftler: Die Männchen bringen die Weibchen durch den Klang demnach dazu, sich vor Schreck ruhig zu verhalten, um der Aufmerksamkeit vermeintlicher Raubtiere zu entgehen. Dalziell verdeutlicht dazu: „Es ist ein bisschen so, als würden sie den Weibchen vermitteln: Süße, es ist gefährlich da draußen – bleib hier bei mir.“

Die Männchen verhindern demnach offenbar, dass ihnen die Damen abhauen, bevor sie „zum Zuge“ gekommen sind. Und bei der Kopulation können sie die Weibchen dann zum längeren Stillhalten animieren, damit möglichst viele Spermien übertragen werden, vermuten die Biologen. Wie sie betonen, widerspricht dies in interessanter Weise der üblichen Rolle von männlichen Lauten im Rahmen des Paarungsverhaltens: Normalerweise sollen sie die Weibchen umgarnen und positiv beeindrucken. Doch in diesem Fall handelt es sich offenbar um ein weniger „ehrenwertes“ Manipulationsverfahren.

Dalziell und ihre Kollegen planen nun, das erstaunliche Verhalten noch genauer unter die Lupe nehmen: Sie wollen die Reaktionen der Weibchen detailliert untersuchen, um aufzuklären, auf welche Weise die Männchen von der skurrilen Klangillusion profitieren. Außerdem wollen sie einen weiteren Aspekt untersuchen, der ihnen aufgefallen ist: Während der Kopulation hält das Männchen seine Flügel über den Kopf des Weibchens. „Verbinden sie ihnen dadurch gleichsam die Augen, um zu verhindern, dass sie die Täuschung bemerken?“, fragt Dalziell.

Quelle: Cell Press, doi: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2021.02.003

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