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Vogelschwund durch Pestizide

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Ein Star mit seiner Insektenbeute im Schnabel (Jouke Altenburg/ Radboud University)
Als Bienenkiller stehen die Pestizide der Neonicotinoid-Gruppe schon länger in der Kritik. Immerhin drei von ihnen dürfen deshalb in der EU nur noch eingeschränkt eingesetzt werden. Jetzt enthüllen niederländische Forscher eine weitere fatale Wirkung dieser Pflanzenschutzmittel: Sie sind wahrscheinlich mitschuld am allmählichen Schwinden typischer Feld- und Wiesenvögel. Denn die Pestizide reichern sich in den Gewässern an und töten dort die Larven der Insekten, die vielen Singvögeln als Nahrung für sich und ihre Jungen dienen. Als Folge gehen überall dort, wie wo viel Neonicotinoid in der Umwelt nachweisbar ist, die Vogelzahlen zurück.

Bisher galten Neonicotinoide als schädlich nur für Insekten und andere wirbellose Tiere. Denn die Pestizide dieses Typs binden an einen bestimmten Rezeptor im Nervensystem der Wirbellosen und lösen so Lähmungen und letztlich den Tod aus. Weil Wirbeltiere einen modifizierten Rezeptor besitzen, sind sie für das Gift weniger anfällig. „Diese Eigenschaft hat die Neonicotinoide in den letzten zwei Jahrzehnten zu beliebten und stark verbreiteten Agrochemikalien gemacht“, erklären Caspar Hallmann von der Radboud Universität in Nijmegen und seine Kollegen. Allerdings ist der Einsatz dieser Pestizide in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Denn Studien zeigen, dass die Neonicotinoide Bienen und Wasserorganismen stärker schädigen als angenommen. Zudem werden diese Pestizide nur langsam abgebaut, sie bleiben daher in Wasser und Boden lange erhalten, wie die Forscher berichten. Bisher war allerdings unklar, welche Folgen diese Anreicherung für die Nahrungskette und im Speziellen für höhere Tiere hat.

Klarer Zusammenhang erkennbar

Um das zu untersuchen, werteten die Forscher Daten der Jahre 2003 bis 2010 von zwei Langzeit-Studien aus: einer landesweiten regelmäßigen Zählung häufiger Brutvögel und zum anderen Messungen der Wasserqualität. Dadurch konnten sie vergleichen, ob es einen Zusammenhang zwischen erhöhten Pestizidwerten in den Gewässern und der Vogelhäufigkeit gab. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Für 14 von 15 untersuchten Vogelarten gab es eine Korrelation: Überall dort, wo die Konzentration des Neonicotinoids Imidacloprid im Wasser 20 Nanogramm pro Liter überstieg, sanken die Vogelzahlen um 3,5 Prozent pro Jahr ab, wie die Forscher berichten. Um sicherzustellen, dass nicht eine veränderte Landnutzung oder andere Faktoren an diesem Schwund schuld war, überprüften die Wissenschaftler zusätzlich die Entwicklung der Vogelpopulationen von 1984 bis 1995 – und damit in der Zeit vor der Einführung des Pestizids. Wie sich zeigte, gab es klare Unterschiede zum aktuellen Trend.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Imidacloprid zur Abnahme der lokalen Vogelpopulationen beigetragen hat“, sagen die Forscher. Ihren Angaben nach ist dafür weniger eine akute Vergiftung der Vögel verantwortlich, als vielmehr eine indirekte Wirkung über die Nahrungskette. „Alle 15 untersuchten Vogelarten füttern ihre Jungen ausschließlich mit wirbellosen Tieren“, erklären Hallmann und seine Kollegen. Bei neun Arten sind zudem auch die Erwachsenen Insektenfresser.  Eine der wichtigsten Futterquellen für die Vögel sind dabei Insekten, deren Larvenstadien im Wasser leben. Doch wie sich zeigte, nimmt die Zahl dieser Insektenlarven in Gewässern mit höheren Pestizidkonzentrationen deutlich ab. Als Folge leiden die Vögel in diesen Gegenden unter Futtermangel und können ihre Jungen nicht ausreichend versorgen. Dies könnte nach Ansicht der Wissenschaftler den Rückgang der Vögel erklären.

„Neonicotinoide galten bisher immer als selektive Gifte“, sagt Koautor Hans de Kroon von der Radboud Universität. „Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie das gesamte Ökosystem beeinträchtigen.“ Diese Pestizide stellen damit ein viel größeres Risiko dar als erwartet, wie die Forscher betonen. Es sei nun dringend nötig, diese indirekten, über die Nahrungskette wirkenden Effekte der Pestizide genauer zu untersuchen  – und auch in der zukünftigen Gesetzgebung zu berücksichtigen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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