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Von der Lunge direkt ins Herz

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Wer Dieselabgase einatmet, riskiert einen Herzinfarkt zu erleiden. Bild: wikipedia.de
Autoabgase führen zu einer schlechteren Durchblutung des Herzens und erhöhen so das Risiko für einen Herzinfarkt. Das schließen britische Forscher aus einer Studie, in der Versuchspersonen Dieselabgase einatmeten und ihre Leistungsfähigkeit auf einem Heimtrainer unter Beweis stellten. Wahrscheinlich aktivieren eingeatmete Rußpartikel besondere Zellen in der Lunge, die das Immunsystem antreiben, wodurch das Blut leichter verklumpt, liefert ein amerikanisches Forscherteam eine weitere Erklärung für den Zusammenhang zwischen Abgasen und Herzinfarkten. Die Forscher hatten an Mäusen im Labor den Einfluss von Dieselabgasen untersucht.

Die Forscher um Nicholas Mills von der Universität Edinburgh untersuchten zwanzig Männer, die alle zu einem früheren Zeitpunkt einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Versuchsteilnehmer atmeten entweder eine Stunde lang verdünnte Abgase eines Dieselmotors ein oder vorher gefilterte, saubere Luft. Währenddessen mussten die Probanden abwechselnd Fahrrad fahren und Ruhepausen einlegen. Dabei maßen die Forscher ihre Herzfrequenz und schauten, wie gut der Herzmuskel durchblutet wurde. Zwar stieg bei allen Versuchsteilnehmern der Puls bei sportlicher Tätigkeit in ähnlicher Weise an, die Durchblutung des Herzens nahm aber bei denen, die zuvor Dieselabgase eingeatmet hatten, deutlich stärker ab. Auch die Fähigkeit, Blutgerinnsel aufzulösen, war bei diesen Probanden vermindert, so die Forscher.

Gökhan Mutlu von der Universität in Chicago und seine Kollegen untersuchten hingegen direkt die Wirkung von Rußpartikeln in den Lungen von Mäusen. Die Rußpartikel, die in Düsseldorf aus der Luft gefiltert worden waren, mischten diese mit einer salzhaltigen Flüssigkeit und spritzten sie in die Lungen der Tiere. Die Konzentration der Partikel entsprach in etwa der Rußmenge, die ein Mensch täglich einatmet, erklären die Wissenschaftler. Besondere Zellen in der Mäuselunge nahmen die Partikel auf und setzten daraufhin einen Botenstoff frei, der das Immunsystem anregt. Das führe schließlich zur schnelleren Verklumpung des Blutes und erhöhe so die Wahrscheinlichkeit für einen Infarkt, erklären die Forscher.

Menschen mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte sollten deshalb bei starker Luftverschmutzung keinen Sport treiben und zu Hause zu bleiben, empfiehlt Mutlu. Wer sich körperlich anstrengt, atme automatisch mehr Rußpartikel ein und verringere so auf gefährliche Weise die Durchblutung seines Herzens. Mutlu möchte nun nicht nur die direkte Wirkung der Dieselabgase untersuchen, sondern in den nächsten Jahren herausfinden, wie die Rußpartikel auf lange Sicht die Gesundheit beeinflussen.

Nicholas Mills (Universität Edinburgh) et al.: New England Journal of Medicine, Band 3, Nr. 11, Seite 1075 Gökhan Mutlu (Universität in Chicago) et al.: Journal of Clinical Investigation, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1172/JCI30639 ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters
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