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Von der Partydroge zum Antidepressivum

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Depression eindrucksvoll künstlerisch umgesetzt von Vincent van Gogh (1853-1890), gemeinfrei
Auf diversen Silvesterpartys wird wohl auch diesmal wieder das sogenannte „Special K“ die Runde machen: In der Drogenszene ist der Wirkstoff Ketamin wegen seines beglückenden Effekts beliebt – allerdings auch für mögliche „Horrortrips“ berüchtigt. Genau diese ambivalente Wirkung macht Ketamin für den Einsatz als Akutmittel gegen Depressionen problematisch. Nun haben Forscher allerdings Einblicke in die neuronalen Effekte der Substanz gewonnen, die möglicherweise den Weg zu einem sicheren Einsatz von Ketamin gegen Depressionen führen könnten.

Die dunkle Macht einer Depression kann akut lebensbedrohliche Ausmaße erreichen, was in Suizidabsichten gipfelt. In solchen Fällen wären Wirkstoffe nötig, die den katastrophalen Gemütszustand sofort lindern – doch leider leisten dies die gängigen Antidepressiva nicht. Sie entfalten ihre Wirkung erst etwa zwei Wochen nach dem Beginn der Einnahme und bei einigen Patienten versagen sie auch generell. Für Ketamin gilt das allerdings nicht: Es kann schlagartig Suizidgedanken vertreiben und die Stimmung auch nachhaltig auf ein erträgliches Niveau bringen, zeigen Studien.

Mittel mit großem Potenzial, aber…

Doch leider lässt sich seine Wirkung schwer kontrollieren und man kann kaum voraussagen, wie der jeweilige Patient reagiert. Statt einer Linderung der Depression können auch Halluzinationen und Verwirrungszustände auftreten, wie aus der Drogenszene einschlägig bekannt. „Es gäbe eine innovative und hochwirksame Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen, aber man kann Patienten die Substanz nicht unkontrolliert zuhause und auf Routinebasis einnehmen lassen“, beschreibt Daniel Lodge von der University of Texas in San Antonio das Dilemma.

Um das Potenzial von Ketamin weiter auszuloten, sind er und seine Kollegen nun dem Wirkmechanismus der Substanz im Gehirn genau nachgegangen. Sie führten dazu Versuche an Ratten durch. Von den intelligenten Nagern ist bekannt, dass sie unter bestimmten Umständen ebenfalls depressive Verhaltensweisen beziehungsweise Stimmungen zeigen – ähnlich wie der Mensch. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichten den Forschern Einblick in die Muster der Nervenreaktionen bei den Versuchstieren nach der Behandlung mit Ketamin.

Wirkmechanismus bieten Ansatzpunkte

Die Forscher identifizierten durch ihre Untersuchungen ein bestimmtes neuronales Aktivitätsmuster, das mit der positiven Wirkung des Ketamins einhergeht. Es treten dabei der Hippocampus und der präfrontale Kortex des Gehirns in charakteristischer Weise in Verbindung, berichten sie. Die Ratten zeigten dabei typisches Verhalten, in dem sich ein antidepressiver Effekt widerspiegelt. Wenn diese spezielle Hirnaktivität bei den Ratten nicht auftrat, gab es auch keine positiven Effekte. Die Forscher vermuten, dass ein Fehlen dieser günstigen Verschaltung für die unerwünschten Effekte des Ketamins verantwortlich ist.

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Diese Erkenntnis könnte den Forschern zufolge nun einen Ansatzpunkt für die Entwicklung von Strategien bieten, um die positive Hirnfunktion gezielt zu fördern. „Der nächste Schritt ist nun die Suche nach Wirkstoffen, die günstig in das System eingreifen – wir haben dazu auch schon ein paar Ideen“, sagt Lodge. Es gibt demnach Hoffnung, dass sich Ketamin bald auch restlos von einer heiklen Substanz zu einem akut wirksamen Antidepressivum mausern kann.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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