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Von Forschern, die auszogen, über die Furcht zu lernen

Neurologen haben entdeckt, warum einige Menschen sich vor allem fürchten und andere selbst in Horrorsituationen ruhig bleiben: Im Gehirn konkurriert ein Schaltkreis für Angst und Flucht mit einem zur Furchtunterdrückung. Je nachdem, welche der beiden Funktionen bei einem Menschen die Oberhand hat, entsteht ein ängstlicher oder aber ein furchtloser Charakter. Das schließen die Wissenschaftler aus Hirnscans von Probanden, die während simulierten Angstsituationen entstanden. Diese Erkenntnisse könnten den Weg zu neuen Therapiemöglichkeiten bei Angststörungen ebnen, schreibt das internationale Forscherteam.

Unter Angststörungen leiden Millionen von Menschen weltweit. Allein in den USA sind den Forschern zufolge etwa 25 Millionen Menschen von Panikattacken, sozialen Phobien, Zwangsstörungen und Angstzuständen im Rahmen von posttraumatischen Störungen betroffen. Während diese Menschen häufig bereits bei kleinen Problemen übermäßig starke Ängste entwickeln, ist anderen Angst völlig fremd: Sie bleiben auch im Angesicht von Katastrophen ruhig oder zeigen sogar Leichtsinn in Situationen, in denen Angst normalerweise eine wichtige Schutzfunktion übernimmt. Welche Hirnfunktionen hinter diesen beiden gegensätzlichen Verhaltensweisen stecken, wollten die Forscher mit ihrer Studie genauer herausfinden.

Sonia Bishop und ihr Team nutzten dazu die sogenannte funktionelle Magnetresonanztomographie, um die Aktivität in bestimmten Hirnbereichen von 23 Probanden zu erfassen. Zusätzlich gaben Messungen über den Hautwiderstand Informationen darüber, wie stark die jeweilige Angstreaktion ausgeprägt war. Während der Hirnscans beobachteten die Testteilnehmer an einem Bildschirm eine virtuelle Figur, mit der sie sich identifizierten. Manchmal hielt sich die Figur die Ohren zu, bevor in zufälligen Abständen ein angsteinflößender Schrei ertönte. In anderen Situationen war der scheußliche Angstschrei dagegen plötzlich zu hören, ohne dass die Figur am Bildschirm durch ihre Reaktion vor dem unangenehmen Ereignis warnte. Dadurch befanden sich die Probenden den Forschern zufolge in einer Spannungssituation.

Probanden, die bei den Hirnscans eine starke Aktivität in der sogenannten Amygdala zeigten, entwickelten bei den Versuchen besonders starke Angstreaktionen. Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist bereits für ihre Bedeutung bei der Entwicklung von Furcht bekannt: Sie gilt als Sitz von Kampf- und Flucht-Reflexen, erklären die Forscher. Eine weitere Besonderheit im Zusammenhang mit erhöhter Angst war eine ungewöhnlich geringe Aktivität im ventralen präfrontalen Cortex. Diese Hirnregion ist dafür zuständig, Ängste und Sorgen zu bewerten und zu überwinden. Bei Testteilnehmern, bei denen dieses Areal besonders stark reagierte, stellten die Wissenschaftler folglich auch geringere Angstreaktionen fest.

„Offenbar sind bestimmte Menschen in der Lage, den ventralen präfrontalen Cortex, des Gehirns zu nutzen, um ihre Angst zu regulieren“, sagt Bishop. „Mit Hilfe dieser Erkenntnis könnten zukünftig Therapien entwickelt werden, die Personen helfen, die von Natur aus nicht ausreichend in der Lage sind, dies zu tun“, glaubt sie.

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Sonia Bishop (University of California in Berkeley) et al: Neuron, Bd. 69, S. 563 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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