Von gefühltem und echtem Reichtum - wissenschaft.de
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Von gefühltem und echtem Reichtum

Mehr Geld zu verdienen hebt die Stimmung ? selbst dann, wenn eine höhere Inflation den Gewinn an Kaufkraft gleich wieder auffrisst. Zurück geht dieses Phänomen, offiziell als Geldwertillusion bezeichnet, auf eine irrationale Eigenheit des Gehirns, haben nun Bonner Forscher gezeigt: Das Belohnungszentrum reagiert grundsätzlich viel stärker auf große Zahlen und hohe Summen als auf kleinere, auch wenn völlig klar ist, dass der reale Wert in beiden Fällen exakt identisch ist. Der Einfluss dieser Fehleinschätzung auf wirtschaftliche Prozesse sei immens, betonen Armin Falk und seine Kollegen. Ohne sie wäre es beispielsweise nahezu unmöglich, durch eine Erhöhung der Geldmenge seitens der Zentralbanken die Wirtschaft anzukurbeln.

24 Freiwillige legten sich für die Studie der Forscher in einen Magnetresonanztomographen und lösten dabei leichte Abschätzungsaufgaben. Für jede richtige Antwort bekamen sie Geld, mit dem sie direkt anschließend Waren aus einem Katalog kaufen konnten. Dabei hatten die Wissenschaftler zwei Szenarien entworfen: In einem bekamen die Probanden zwar mehr für ihre Antworten, entsprechend waren jedoch auch die Preise im Katalog höher. Im anderen Fall verdienten die Teilnehmer die Hälfte weniger, mussten jedoch auch weniger bezahlen, um etwas aus dem Katalog zu kaufen. Während der gesamten Prozedur überwachten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität ihrer Probanden.

Obwohl alle Teilnehmer genau über beide Szenarien informiert waren und auch wussten, dass sie sich in beiden Situationen exakt dasselbe leisten konnten, registrierten die Wissenschaftler Überraschendes: „Im Niedriglohn-Szenario war eine bestimmte Hirnregion stets signifikant weniger aktiv als im Hochlohn-Szenario“, berichtet Mitautor Bernd Weber. Dabei handelte es sich um einen Teil des präfrontalen Cortex, eines Areals, das unter anderem für die Kopplung von Sinneseindrücken und Erinnerungen mit Emotionen, die Erwartung einer Belohnung sowie die subjektive Bewertung von Gütern zuständig ist. „Das Areal versetzt uns gewissermaßen bei positiven Erlebnissen in Hochstimmung“, so Weber.

Entgegen der Annahmen vieler Wirtschaftswissenschaftler existiere die Geldwertillusion also tatsächlich, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen. Für Menschen spiele beim Geld demnach nicht unbedingt der reale, sondern vielmehr der nominale Wert die entscheidende Rolle ? sie lassen sich leicht von großen Zahlen verführen. Höchstwahrscheinlich liege diese Tendenz auch Phänomen wie Spekulationsblasen oder den häufig stark vom realen Wert abweichenden Bewertungen von Aktien zugrunde, so die Wissenschaftler.

Armin Falk (Universität Bonn) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0901490106 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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