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Von Hormonspiegeln und Mutterliebe

Auch beim Menschen gibt es einen Zusammenhang zwischen der Stärke der Mutter-Kind-Bindung und der Menge des Botenstoffs Oxytocin im Blut, haben israelische Forscher gezeigt. Für einige Säugetiere ist diese Wirkung des Hormons schon länger bekannt, wurde aber beim Menschen bislang noch kaum erforscht. Die Versuche der Forscher zeigten: Je höher die Menge an Oxytocin während der Schwangerschaft und in der ersten Zeit nach der Geburt ist, desto stärker sind die Bemühungen der Mutter um einen intensiven Aufbau einer engen Bindung zum Baby.

Die Forscher entnahmen für ihre Versuche 62 schwangeren Frauen Blutproben im ersten und letzten Drittel der Schwangerschaft sowie im ersten Monat nach der Geburt und bestimmten darin den Oxytocin-Spiegel. Dieser unterschied sich zwar zwischen den einzelnen Testteilnehmerinnen, blieb während der gesamten Zeit aber annähernd konstant für die jeweilige Versuchsperson. Zum Zeitpunkt aller drei Blutentnahmen füllten die Versuchsteilnehmerinnen zusätzlich Fragebögen zu ihrer momentanen Stimmung aus.

Im ersten Monat nach der Geburt wurden die Frauen zudem zu ihren Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen in Bezug auf ihre Bindung zu ihrem Kind befragt. Außerdem wurde ihr Umgang mit ihrem Kind während fünfzehn Minuten, in denen sie mit ihrem Baby alleine in einem Raum waren, auf Video aufgenommen und anschließend analysiert. Dabei achteten die Forscher auf vier Aspekte der Mutter-Kind-Bindung: die Blickrichtung der Mutter, die gefühlsbetonte Bindung zu dem Kind, die Art der Berührung, beispielsweise zärtlich oder funktional, und ob und wie sie mit dem Kind sprach. Die Wissenschaftler unterteilten das Video in Abschnitte von zehn Sekunden und bestimmten dafür jeweils jeden dieser Aspekte.

Anschließend verglichen sie die Stärke der Mutter-Kind-Bindung mit der Menge an Oxytocin im Blut. Dabei konnten sie eindeutig eine Verbindung zwischen dem Oxytocin-Level und der Bindungsstärke erkennen, sowohl im Bezug auf das Verhalten als auch in der geistigen Einstellung der Mütter. Ob es sich dabei jedoch tatsächlich um einen kausalen Zusammenhang handelt, können die Wissenschaftler noch nicht sagen: Sie nicht ausschließen, dass der Hormonspiegel und die Mutter-Kind-Bindung von einem dritten Faktor gesteuert werden.

Ruth Feldmann (Bar-Ilan-Universität, Ramat-Gan) et al.: Psychological Science, Band 18, Nummer 11 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker
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