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Von Menschen und Mäusen

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Mäuse und Menschen haben wohl doch weniger Gene gemeinsam als Forscher bisher dachten.
Menschen und Mäuse unterscheiden sich genetisch stärker, als bisher angenommen wurde: Etwa ein Fünftel aller Mäuse-Gene hat sich erst in den vergangenen neunzig Millionen Jahren entwickelt, nachdem sich die Abstammungslinie der kleinen Nagetiere von denen der anderen Säugetiere getrennt hatte. Das Genom unterscheidet sich daher unerwartet deutlich von dem des Menschen, haben Deanna Church vom National Center for Biotechnology Information in Bethesda und ihre Kollegen jetzt bei einem Vergleich festgestellt. Da Mäuse ein beliebter Modellorganismus speziell für medizinische Studien sind, nähren die neuen Ergebnisse nun bereits früher geäußerte Zweifel daran, dass die Ergebnisse aus Versuchen an Mäusen wirklich direkt auf den Menschen übertragen werden können.

Basis des Vergleichs zwischen Mensch und Maus war eine neue Analyse des Erbguts der Maus, die eine genauere und sehr viel vollständigere Version des Maus-Genoms lieferte. Damit ist die Maus erst das zweite Säugetier nach dem Menschen, von dem das Erbgut gänzlich bekannt ist. Die Forscher stellten dabei fest, dass die Gene von Menschen und Mäusen zu vier Fünfteln übereinstimmen. Noch entscheidender sei jedoch, dass diese gemeinsamen Gene identifiziert und charakterisiert werden konnten, erklären sie. Mit diesem Wissen steigt die Möglichkeit, Mäuse-Gene gezielt auszusuchen, um mit ihrer Hilfe menschliche Krankheiten besser zu verstehen.

Außerdem ermöglicht die neue, genauere Sequenz, sowohl die Gene zu identifizieren, die alle Säugetiere gemeinsam haben, als auch die, die bei Mensch und Maus unterschiedlich sind. Das zuvor unvollständige Bild des Mäuse-Erbguts hatte dazu geführt, dass viele Gene unerkannt blieben, die Mensch und Maus voneinander unterscheiden. Dadurch waren mehr Gemeinsamkeiten angenommen worden, als tatsächlich vorhanden waren ? ein Fehlschluss, der erneut die Frage nach der Übertragbarkeit von bei Mäusen gewonnenen Ergebnissen auf den Menschen aufwirft.

Einige der neu charakterisierten Gene überraschten die Wissenschaftler mit der Geschwindigkeit, mit der sie sich entwickelt hatten. Vermutlich seien dafür die große Konkurrenz der Mäuse untereinander und ihre hohe Reproduktionsrate verantwortlich, erläutern sie.

Deanna Church (National Center for Biotechnology Information, Bethesda) et al.: PLoS Biology, Bd. 7, Nr. 5, doi:10.1371/journal.pbio.1000112 ddp/wissenschaft.de ? Bele Boeddinghaus
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