Vor 86 Millionen Jahren gab's das letzte Mal Futter - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Vor 86 Millionen Jahren gab's das letzte Mal Futter

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Sonnenuntergang am Äquator: Das Zentrum des Stillen Ozeans ist eine marine Wüste. (c) Benjamin Brunner, Science/AAAS
Am Grunde des zentralen Nordpazifiks leben die wohl genügsamsten Wesen der Welt. Die Mikroben im Meeresboden wachsen so langsam, dass noch 30 Meter unter dem Meeresboden Sauerstoff vorhanden ist, berichten Forscher um Hans Røy. Normalerweise ist das Gas schon in weniger als zehn Zentimetern Tiefe komplett aufgezehrt.

Der Grund für die Anspruchslosigkeit der Einzeller ist das geringe Nahrungsangebot. Das Zentrum des riesigen Wirbels inmitten des Stillen Ozeans gilt als marine Wüste. Weil nur wenige Nährstoffe vom Land herangespült werden, wachsen dort kaum Algen, auch Tiere sind rar. Das Wasser ist daher ungewöhnlich klar. Die Sedimentation ist so gering wie nirgendwo sonst: Pro Jahrtausend setzt sich höchstens ein Millimeter roter Schlamm am Meeresboden ab, teilweise sogar noch weniger.

Der darin enthaltene Kohlenstoff ist alles, was den Einzellern im Meeresboden als Nahrung zur Verfügung steht. Offenbar gehen die Mikroben damit sehr sparsam um, stellten Røy und seine Kollegen fest. Bei einer Expedition in den zentralen Nordpazifik nahmen sie Proben aus dem Meeresboden und untersuchten mit einem speziellen Sensor den Sauerstoffverbrauch.

Direkt am Meeresboden besiedeln etwa 100 Millionen Mikroben einen Kubikzentimeter Sediment. In 20 Metern Tiefe waren es noch etwa tausend Zellen pro Kubikzentimeter, und in 30 Metern Tiefe konnten die Forscher keine Zellzahlen mehr ermitteln. Dennoch konnten sie anhand des Sauerstoffverbrauchs nachweisen, dass es dort noch eine aktive Mikrobengemeinschaft gibt.

Allerdings atmen die Einzeller unglaublich langsam: Sie brauchen einige Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, um ihre Biomasse einmal komplett auszutauschen. Ob sie in der Lage sind, sich zu teilen, oder ob sie ihren Stoffwechsel lediglich nutzen, um Schäden am Erbgut zu reparieren und die chemischen Unterschiede zwischen Zellinnerem und Außenwelt aufrechtzuerhalten, wissen die Forscher nicht. Sie vermuten allerdings, dass die zähen Tiefsee-Mikroben nur wenig mit den schnellwachsenden Bakterienkulturen gemein haben, die man sonst aus Laborversuchen kennt.

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Das Sediment in 30 Metern Tiefe ist bereits 86 Millionen Jahre alt ? es wurde also abgelagert, als noch Dinosaurier über die Erde streiften. Seitdem hatten die Mikroben keinen Kontakt mehr mit der Außenwelt.

Hans Røy (Arhus Universität) et al.: Science, Bd. 336, S. 922 wissenschaft.de – Ute Kehse
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