Vor New York liegt ein „Weißhai-Kindergarten“ - wissenschaft.de
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Vor New York liegt ein „Weißhai-Kindergarten“

Karte des Untersuchungsgebiets vor Long Island, New York, im westlichen Nordatlantik (a) und Foto eines Weißen Jung-Hais mit Sender auf der Markierungsplattform (b). (Credit: Curtis et al. Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-018-29180-5)

Hollywood hat ihn auf fragwürdige Weise zum Star gemacht: Der große Weiße Hai ist der berühmteste aller Raubfische. Doch auch diese Meeres-Riesen fangen mal klein an – Forscher haben nun eine der nordatlantischen Kinderstuben des Weißen Hais identifiziert. Die Babys des bedrohten Promis der Ozeane halten sich demnach besonders gern in der New York Bight auf.

Das Interesse an diesem fruchterregend wirkenden Meerestier ist groß und auch seine wichtige Rolle im Ökosystem scheint klar – dennoch ist noch immer wenig über das Leben des Weißen Hais (Carcharodon carcharias) bekannt. Vor allem die Wanderbewegungen in den Meeren sind mysterös und auch wie und wo die Tiere leben, bevor sie sich zu den bis zu sieben Meter langen Giganten entwickeln. Um Einblicke in diese Frage zu gewinnen, haben Forscher von der Florida Atlantic University (FAU) nun die Bewegungen von Baby-Weißhaien mittels moderner Sender- und Satellitentechnik untersucht.

Zugmuster erfasst

Sie gingen dabei einer konkreten Spur nach: Baby-Weißhaie wurden häufig in der sogenannten New York Bight gesichtet – einem Meeresgebiet entlang der Atlantikküste vor New York. Es gab deshalb bereits die Vermutung, dass es sich bei dieser Region um eine Art Kinderstube der Weißen Haie handeln könnte. Der Nachweis, dass Jungtiere dort tatsächlich ungewöhnlich häufig anzutreffen sind und dass sie das Gebiet wiederholt über Jahre nutzen, fehlte allerdings bisher. Die Forscher überprüften die Kindergarten-Theorie nun, indem sie zehn Baby-Weißhaie im Alter von weniger als einem Jahr vor Long Island fingen und mit Sendern ausrüsteten. Auf diese Weise konnten sie die Bewegungen der „Kleinen“ anhand von Satellitendaten erfassen.

Es zeigte sich: Die überwachten Tiere hielten sich im Sommer und Früherbst tatsächlich in der New York Bight auf, mit Fokusgebieten entlang der Südostküste von Long Island. Der Grund ist wahrscheinlich Sicherheit, sagen die Meeresbiologen: Da junge Weiße Haie oft zur Beute größerer Haie werden, bieten ihnen die flachen Küstengewässer der New York Bight vermutlich Zuflucht, da die großen Tiere sie meiden.

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Beginn einer langjährigen Beobachtung

Wie die Verfolgungsdaten zeigten, zogen die markierten Weißen Haie im Spätherbst nach Süden und überwinterten in einem Meeresgebiet vor der Küste von North und South Carolina. Im Frühjahr kehrten sie dann wieder in die New York Bight zurück, berichten die Wissenschaftler. Ihnen zufolge zeichnet sich in diesem Zugmuster somit eindeutig ab: Das Meeresgebiet vor New York ist für die Entwicklung der Jungtiere wichtig – es handelt sich um eine Kinderstube des berühmten Raubfisches.

„Damit die Babyhaie Geschlechtsreife erlangen und eine stabile Zukunft für diesen wichtigen Spitzenprädator sichern können, sind diese Regionen zentral wichtig“, sagt Co-Autor Matt Ajemian. Er und seine Kollegen hoffen nun auf weitere Daten, um dem Weißen Hai auf die Spur zu kommen. „Die Batterielebensdauer der von uns verwendeten Sender liegt bei zehn Jahren“, sagt Mike McCallister. „Wir hoffen dass uns diese Technologie die Möglichkeit geben wird, Veränderungen in der Verteilung von Weißen Haien, sowie die Lebensraumnutzung und Migration über die Lebensspanne dieser Art hinweg zu beobachten“, so der Meeresbiologe.

Quelle: Florida Atlantic University, Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-018-29180-5

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