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Umwelt+Natur

Vorsprung durch Asymmetrie

Ein asymmetrisch strukturiertes Gehirn ermöglicht „Multitasking“ und ist daher selbst für primitive Wirbeltiere wie Fische ein Vorteil. Das haben italienische Wissenschaftler in Experimenten herausgefunden, bei denen sie die Tiere zwei Aufgaben gleichzeitig erledigen ließen. Asymmetrische Gehirne, deren Hälften unterschiedliche Aufgabenbereiche zugeteilt sind, gehen demnach auf ein von der Evolution entwickeltes und für alle Wirbeltiere geltendes Grundprinzip zurück, so die Forscher.

Beim Menschen ist die Aufgabenverteilung im Gehirn extrem unsymmetrisch: Während die linke Hirnhälfte etwa für die Sprache zuständig ist, hat in der rechten Hemisphäre des Gehirns beispielsweise kreatives Denken oder Musik seinen Sitz. Eine solche Asymmetrie ermöglicht es, besonders effektiv mehrere Denkaufgaben zugleich zu bewältigen. Unsymmetrische Verteilungen fanden Wissenschaftler auch bei Affen und vielen anderen Tieren. Doch auch primitiven Wirbeltieren wie Fischen bringt sie Vorteile, wie Marco Dadda und Angelo Bisazza nun zeigen konnten.

Die Forscher ließen in ihren Experimenten Sichelkärpflinge gegeneinander antreten, die durch gezielte Zucht entweder mit symmetrischen oder unsymmetrischen Gehirnen herangewachsen waren. In der ersten Aufgabe hatten die Fische Shrimps in einem Becken zu jagen. Hier lagen beide Gruppen noch gleichauf und benötigten zum Fang von zehn der kleinen Krebse etwa gleich lang.

Ganz anders sah es hingegen aus, als die Forscher in ein benachbartes Becken einen Raubfisch setzten, zu dessen Beute auch Sichelkärpflinge gehören. Nun galt die Aufmerksamkeit der Kärpflinge nicht nur den Shrimps, sondern auch dem Räuber. Die Fische mit unsymmetrischen Gehirnen konnten sehr viel besser mit dieser Situation fertigwerden als ihre symmetrischen Artgenossen und brauchten nur die Hälfte der Zeit, bis sie zehn Krebse gefangen hatten. Etwa siebzig Prozent der Zeit behielten sie dabei mit einem Auge den Raubfisch im Blick, während das andere nach Beutetieren Ausschau hielt. Ihre symmetrischen Artgenossen wechselten hingegen ständig zwischen dem Blick auf Beutetier und Fressfeind hin und her, was weniger effektiv war.

Science, Onlinedienst Originalarbeit der Forscher: Marco Dadda, Angelo Bisazza (Universität Padua): Animal Behaviour, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.anbehav.2005.10.019 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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