Elefantenkühe bekommen erst mit 23 Jahren ihr erstes Kalb Waldelefanten leben langsam - wissenschaft.de
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Elefantenkühe bekommen erst mit 23 Jahren ihr erstes Kalb

Waldelefanten leben langsam

Waldelefant
Waldelefanten-Kuh mit ihrem Kalb (Foto: Richard Ruggiero/US Fish and Wildlife Service)
Fatale Langsamkeit: Die bedrohten Waldelefanten Afrikas haben eine extrem späte und langsame Fortpflanzung, wie sich jetzt zeigt. Das aber bedeutet, dass sich ihre Bestände von den schweren Einbußen durch Wilderei nur schwer erholen werden.

In Afrika gibt es neben dem bekannteren und größeren Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana) auch die kleinen Waldelefanten (Loxodonta cyclotis). Diese leben in kleinen Gruppen in den Regenwäldern West- und Zentralafrikas und haben dort eine wichtige ökologische Funktion: Mit ihrem Kot verbreiten sie die Samen vieler Bäume. Ohne sie könnten sich die für das globale Klima so wertvollen Regenwälder daher nicht regenerieren.

Bestände um 65 Prozent geschrumpft

Doch die Waldelefanten sind in Gefahr: Zwischen 2002 und 2013 sind ihre Populationen um 65 Prozent zurückgegangen, wie eine Studie der Wildlife Conservation Society (WCS) nun belegt. Der Grund dafür ist vor allem die Wilderei. Weil aber über die Biologie der Waldelefanten bisher nur wenig bekannt ist, war es bisher schwer, sie zu schützen und vor allem abzuschätzen, ob sich die Bestände von einem solchen Einbruch erholen können.

Um mehr darüber herauszufinden, beobachten Andrea Turkalo von der WCS und seine Kollegen schon seit gut drei Jahrzehnten mehrere Gruppen von Waldelefanten in Dzanga Bai in der Zentralafrikanischen Republik. Durch nahezu tägliche Besuche auf bei Elefanten beliebten Lichtungen konnten die Biologen erstmals erfassen, in welchem Alter Waldelefanten-Kühe zum ersten Mal Junge gebären und in welchen Abständen dann weitere Kälber folgen.

Waldelefanten sind extrem spätgebärend

Das Ergebnis: Waldelefanten brauchen sehr viel länger als ihre in den Savannen lebenden Verwandten, bis sie ihr erstes Kalb bekommen. „Die Elefantenkühe der Dzanga-Population gebären typischerweise erst im Alter von 23 Jahren zum ersten Mal“, berichtet Turkalo. „Savannen-Elefanten dagegen bekommen ihr erstes Kalb schon mit Zwölf.“

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Und auch die älteren Elefantendamen der Waldbewohner lassen sich Zeit: Nach der Geburt eines Kalbs vergehen fünf bis sechs Jahre, bis eine Waldelefantin erneut Nachwuchs bekommt. Das ist eine um gut ein Drittel längere Pause als bei den Elefanten der Savanne. Nach Ansicht der Biologen könnte diese eher spärliche Fortpflanzung mit der Futtersituation im Dschungel zusammenhängen. Denn obwohl die Baumkronen reichlich Nahrung bieten, ist das Angebot auf Rüsselhöhe der Elefanten eher karg.

Erholung dauert fast 100 Jahre

Was aber in ungestörten Wäldern gut für das Überleben war, könnte für die von Wilderei und Lebensraumzerstörung bedrohten Waldelefanten zur tödlichen Sackgasse werden. Denn durch die späte Geburt und die nur wenigen Kälber, die eine Waldelefanten-Kuh produziert, erholen sich die Bestände nur sehr langsam. Um die Einbußen seit 2002 wieder auszugleichen, würden die jetzigen Elefanten mehr als 90 Jahre benötigen, wie die Biologen ausrechneten.

„Unsere Ergebnisse liefern weitere entscheidende Informationen zum traurigen Status der Waldelefanten und ihrer Erhaltung“, konstatiert Turkalo. Denn angesichts ihrer extrem langsamen Fortpflanzung sei es umso wichtiger, die verbleibenden Bestände rigoros zu schützen. Nach wie vor gelingt es nur schlecht, die Wilderei in Zentralafrika in den Griff zu bekommen. Für das Überleben der Waldelefanten ist es daher besonders wichtig, den Handel mit Elfenbein weltweit zu verbieten.

Quelle: Wildlife Conservation Society, Fachartikel: Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.12764

© natur.de – Nadja Podbregar
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♦ Elek|tro|ero|si|on  〈f. 20; unz.〉 Verfahren zum Bearbeiten sehr harter Legierungen zw. zwei Elektroden, was zur Abtragung des Werkstückes führt

♦ Die Buchstabenfolge elek|tr… kann in Fremdwörtern auch elekt|r… getrennt werden.

In|duk|ti|vi|tät  〈[–vi–] f. 20; unz.; Phys.〉 1 〈i. w. S.〉 Koeffizient, der den Zusammenhang zwischen magnet. Fluss u. felderzeugenden Strömen darstellt 2 〈i. e. S.〉 Maß für die Stärke der Selbstinduktion eines elektr. Leiters od. Spule, gemessen in der SI–Einheit Henry ... mehr

Schling|nat|ter  〈f. 21; Zool.〉 beißlustige, aber ungiftige Schlange: Coronella austriaca

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