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Umwelt+Natur

Warum ältere Eltern von Vorteil sind

Ältere Seeschwalben sind bessere Eltern als jüngere: Sie lassen sich von Krisensituationen weniger stressen und können sich daher intensiver um ihren Nachwuchs kümmern, haben amerikanische Biologen entdeckt. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich eine Verschiebung der Prioritäten im Lauf eines Vogellebens: Während für jüngere Tiere der Schutz des eigenen Lebens im Vordergrund steht, ist für ältere das eigene Überleben nicht mehr so wichtig, so dass ihnen mehr Energie für die Brutpflege zur Verfügung steht.

Nach der Evolutionstheorie haben Tiere ein Hauptziel im Leben, nämlich ihre Gene so erfolgreich wie möglich weiterzugeben. Mit anderen Worten: Sie müssen möglichst viele Nachkommen in die Welt setzen und deren Überleben so gut wie möglich sichern. Da bei jungen Tieren meist die Anzahl potenzieller zukünftiger Nachkommen höher ist als die bereits gezeugter, müssen sie in Gefahrensituationen alles für den Schutz des eigenen Lebens tun ? notfalls auch ihren aktuellen Nachwuchs im Stich lassen. Ältere Tiere haben dagegen meist schon in der Vergangenheit für ausreichend Nachkommen gesorgt, so dass der Selbstschutz etwas in den Hintergrund treten kann und sie die sonst dafür aufgewendete Energie in den aktuellen Nachwuchs investieren können. Welche körperlichen Vorgänge dieser Prioritätenverschiebung zugrundeliegen, ist jedoch bislang nur teilweise bekannt.

Aus diesem Grund untersuchten Britt Heidinger und ihre Kollegen eine Gruppe von Fluss-Seeschwalben (Sterna hirundo), die sich mit ihrer langen Lebenserwartung von knapp 30 Jahren gut für einen Vergleich junger und alter Eltern eignen. Die Forscher setzten einige der Schwalben unter Stress, indem sie sie in Fallen lockten, und bestimmten kurz danach die Stresshormonspiegel im Blut der Tiere. Anschließend verglichen sie die Hormonwerte mit dem Alter der Vögel. Das Ergebnis: Zwar stieg die Stresshormonkonzentration bei allen Tieren als Reaktion auf die Gefahrensituation an, die älteren Schwalben produzierten jedoch insgesamt deutlich weniger Stresshormone als die jüngeren.

Dieses Ergebnis spiegelt nach Ansicht der Forscher eindeutig die Prioritätenverschiebung wider. Die Ausschüttung von Stresshormonen sorgt dafür, dass Energie aus internen Zuckerspeichern freigesetzt wird und löst das Fluchtverhalten aus, erklären sie. Erhöhte Stresshormonspiegel beeinträchtigen jedoch gleichzeitig das Paarungs- und Brutpflegeverhalten, haben bereits frühere Studien gezeigt. Der weniger ausgeprägte Anstieg der Hormonwerte im Alter kommt daher dem Nachwuchs zugute, da sich die Eltern weiterhin intensiv um die Pflege der Küken kümmern.

Britt Heidinger (Indiana University, Bloomington) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2006.3557 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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