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Warum bleiben Zugvögel nicht im Süden?

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Kraniche sparen beim Ziehen in V-Formation Energie: Luftverwirbelungen des voraus fliegenden Vogels sorgen für weniger Luftwiderstand. (Foto: Meinzahn/iStock)
Bei uns wird’s langsam kalt und ungemütlich – über 200 Millionen Zugvögel verlassen nun erneut Deutschland, um in den stets warmen Süden zu fliegen. Hier finden sie Nahrung und Lebensraum, bis sie im nächsten Frühjahr wieder zurück in den Norden ziehen. Doch warum nehmen die Zugvögel denn diese Reisestrapazen überhaupt auf sich – warum bleiben sie nicht einfach für immer im warmen Süden? Das hat uns Carlotta B. gefragt – vielen Dank dafür.

Um den Zusammenhang zu veranschaulichen, zieht Vogelexperte Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen Vergleich zum Reiseverhalten des Menschen: „Manch einer denkt an einem warmen Urlaubsstrand: Hier könnte man doch für immer bleiben. Aber der Broterwerb und die gemütliche Wohnung treiben uns dann schließlich doch wieder ins Heimatland.“ Ähnlich ist dies bei den Zugvögeln: „Der Norden bietet den Vögeln im Sommerhalbjahr viel Nahrung und optimale Bedingungen zur Aufzucht der Jungen“, erklärt Heiermann.

Der Süden hat Nachteile

Zudem sind die Lebensbedingungen in den südlichen Winterquartieren für die gefiederten Wintergäste oft gar nicht so optimal. Hier leben bereits viele Vögel das ganze Jahr über – die Zugvögel müssen also mit den ansässigen Arten um Nahrung und Lebensraum konkurrieren. Der europäische Sommer bietet dagegen nahezu paradiesische Lebensbedingungen: Während in manchen Winterquartieren Hitze und Trockenheit einziehen, gibt es im Sommerhalbjahr des Nordens Nahrung und Nistplätze im Überfluss. Etwa 200 europäische Vogelarten sind deshalb Pendler – das Winterquartier ist nur ihre Notlösung.

Ein südliches Ziel ist dabei übrigens relativ: Sogar Deutschland ist ein Überwinterungsland für Zugvögel. „Zum Beispiel der Seidenschwanz, der im Sommer in Skandinavien und Sibirien lebt, verbringt den Winter bei uns, bis es ihn wieder in den hohen Norden zieht“, sagt Heiermann. Vögel sind nicht versessen aufs Reisen – wenn es sich anbietet, vermeiden einige Arten sogar die weite Reise. „Der Star ist beispielsweise ein solcher Teilzieher, der sein Zugverhalten den Umständen anpasst“, sagt der Experte. Manche Starenpopulationen fliegen im Winter sogar überhaupt nicht mehr in den Süden, sondern ziehen stattdessen in unsere Großstädte, wo sie ebenfalls Nahrung, Wärme und gemütliche Quartiere finden.

Jetzt ist die Zeit für Beobachtungen

Wer die klassischen Zugvögel, wie beispielsweise die Kraniche, bei ihrem Reiseverhalten beobachten möchte, für den gibt es nun im Oktober die besten Möglichkeiten. Generell gilt dabei: Da Zugvögel ihre Flughöhe nicht verändern, nur weil ein Hügel vor ihnen liegt, kann man sie von einem erhöhten oder exponierten Standort am besten beobachten. Bis Mitte Oktober bietet der NABU nun außerdem Exkursionen und geführte Beobachtungen an, um den Vogelzug erlebbar zu machen. Beispielsweise können Interessierte die Vogelmassen an ihren deutschen Rastplätzen auf dem Weg nach Süden beobachten.

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Übersicht Birdwatch-Termine 2017

Quellen:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg / dapd
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