Warum Bösewichte meistens schwarz tragen - wissenschaft.de
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Warum Bösewichte meistens schwarz tragen

Die Verbindung von Hellem mit positiven Gefühlen und Dunklem mit negativen gibt es in vielen Kulturen. Diese Assoziation abstrakter Emotionen mit konkreten Eigenschaften könnte ein grundsätzliches menschliches Denkprinzip widerspiegeln, vermuten amerikanische Psychologen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Psychological Science (Ausg. 15, Nr. 2, Februar 2004).

Jesus als das helle „Licht der Welt“, der Teufel als „Prinz der Dunkelheit“ ? Bilder wie dieses sind nicht nur in westlichen Kulturen weit verbreitet. Auch in buddhistischen Schriften, der Hindu-Mythologie und im Koran wird das Gute mit weißen, hellen Bildern beschrieben und das Böse in dunklen Farben dargestellt. Diese Verbindung scheint selbst bei der Beurteilung einfacher Wörter immer präsent zu sein, wiesen Gerald Clore von der Universität von Virginia in Charlottesville und seine Kollegen nach.

Die Wissenschaftler hatten über einhundert freiwilligen Testpersonen unter anderem Wörter mit positiver und solcher mit negativer Bedeutung auf einem Bildschirm gezeigt. Dabei erschienen die Begriffe abwechselnd und zufällig in schwarzer oder in weißer Schrift. Während der Tests sollten die Probanden den Wörtern möglichst schnell oder möglichst genau das Etikett „positiv“ oder „negativ“ zuteilen. Am besten und genauesten schafften die Testpersonen die Zuordnung dann, wenn die Bedeutung des Wortes mit der Schriftfarbe übereinstimmte, positiv belegte Wörter also in weiß und negative in schwarz erschienen. In Fällen, in denen sich gefühlte Bedeutung und Farbe widersprachen, hatten die Probanden dagegen deutliche Probleme bei der Zuordnung. Wie schnell die Testteilnehmer die Schriftfarbe erfassen konnten, wurde dagegen nicht von der Bedeutung des Wortes beeinflusst.

Nach Ansicht der Psychologen untermauern diese Ergebnisse die Theorie, dass begriffliches Denken und die Vorstellung abstrakter Begriffe immer auf konkreten Bildern beruhen. Verantwortlich dafür sei die Art, wie Menschen lernen, schreiben die Wissenschaftler: Die Entwicklung des bewussten Denkens beim Kleinkind beginne mit sensorischen Erfahrungen, auf die nach und nach durch Lernen abstraktere Denkmuster aufgebaut würden. Werde zum Beispiel ein Baby im Arm gehalten, assoziiere es die eigentlich emotionsfreie Erfahrung „warm“ und das Gefühl von Glück mit diesem Zustand. Daraus folge dann später beispielsweise der bildliche Ausdruck „ein warmes Lächeln“ für etwas, das wohlwollend und angenehm ist.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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