Warum die eigenen Kinder immer die schönsten sind - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Warum die eigenen Kinder immer die schönsten sind

Sowohl Mutterliebe als auch romantische Liebe machen tatsächlich blind: In Gegenwart geliebter Personen werden Gehirnregionen, die für soziales Urteilsvermögen und kritische Urteile zuständig sind, ausgeschaltet. Gleichzeitig steigt die Aktivität des Belohnungszentrums, das Wohlbefinden und Zufriedenheit vermittelt. Das entdeckten britische Forscher bei so genannten funktionalen Magnetresonanzuntersuchungen, in denen die Aktivität verschiedener Gehirnbereiche sichtbar gemacht werden kann. Die Wissenschaftler beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift NeuroImage (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.neuroimage.2003.11.003).

Schon in früheren Studien waren Andreas Bartels und Semir Zeki vom University College in London auf die Gehirnareale gestoßen, die bei der romantischen Liebe zwischen Mann und Frau aktiv sind. Bei ihren neuen Untersuchungen testeten sie, welchen Einfluss Mutterliebe auf die Gehirntätigkeit hat. Dazu zeigten sie zwanzig jungen Müttern Bilder ihrer eigenen Kinder und scannten gleichzeitig die Gehirne der Frauen. Zum Vergleich führten die Forscher die gleiche Messung auch durch, während die Frauen Bilder von anderen, vertrauten Kindern und von Freunden betrachteten.

Genau wie bei der romantischen Liebe verursachten die Bilder der eigenen Kinder einen starken Anstieg der Aktivität im so genannten Belohnungsschaltkreis, der aus verschiedenen Arealen besteht. Dazu gehört beispielsweise der Nucleus accumbens, der auch bei Drogenkonsum und sexueller Erregung aktiviert wird. Aber auch die deaktivierten Gehirnbereiche stimmten bei romantischer und mütterlicher Liebe größtenteils überein: Sie spielen im aktiven Zustand wichtige Rollen bei der sozialen und emotionalen Beurteilung anderer Menschen und werden auch mit Aggressionen, Angst und anderen negativen Gefühlen in Verbindung gebracht. Freunde und nicht verwandte Kinder dagegen bewirkten kein besonderes Aktivitätsmuster.

Wenn ein Mensch sehr vertraut ist, sei es nicht mehr nötig, dessen Charakter und Persönlichkeit abzuschätzen und zu beurteilen, schreiben Bartels und Zeki. Daher würden die Schaltkreise für eine kritische Bewertung nicht mehr gebraucht, während andererseits die persönliche Bindung durch das Belohnungssystem verstärkt wird. Die Forscher fanden bereits zwei Neurohormone, die möglicherweise an diesem Geben-und-Nehmen-Prinzip im Gehirn beteiligt sind. In den identifizierten Gehirnarealen gibt es nämlich besonders viele Erkennungsmoleküle für die Substanzen Vasopressin und Oxytocin. Diese beiden Hormone sind im Tierreich bereits lange bekannt: Sie vermitteln dort sowohl Mutter-Kind- als auch Partner-Bindungen.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Phos|phat  〈n. 11; Chem.〉 Salz od. Ester der Phosphorsäure [→ Phosphor ... mehr

Erb|in|for|ma|ti|on  〈f. 20; Genetik〉 in den Chromosomen gespeicherter genetischer Kode

Tou|ris|tik  〈[tu–] f. 20; unz.〉 1 Touristenverkehr, Reisewesen zum Vergnügen u. zur Erholung 2 Wandern, Bergsteigen ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige