Warum Elefanten für Frösche wichtig sind - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Warum Elefanten für Frösche wichtig sind

Elefanten-Fußabdruck
Wertvolle Kinderstube für Kaulquappen: ein mit Wasser gefüllter Elefanten-Fußstapfen in Myanamar. (Bild: Steven Platt/ Wildlife Conservation Society)

Auf den ersten Blick haben Elefanten wenig mit Fröschen und Kröten zu tun. Doch in einigen Gegenden Asiens könnten die Dickhäuter eine wichtige Rolle für die Amphibien spielen. Denn sie hinterlassen während der Regenzeit tiefe Fußabdrücke im Boden, die teilweise selbst in der Trockenzeit mit Wasser gefüllt bleiben. Damit bilden diese Tümpel wertvolle Kinderstuben für Laich und Kaulquappen der Amphibien, wie Forscher berichten.

Elefanten sind nicht nur beeindruckende Tiere, sie gelten auch als Ökosystem-Ingenieure. Denn die Präsenz der Dickhäuter beeinflusst ihre Umwelt und kann neue ökologische Nischen für andere Lebewesen schaffen. Durch ihren Fraß und das Herumwandern in Waldgebieten und Savannen schaffen die Elefanten beispielsweise Lichtungen im Dickicht, von denen Pflanzen und Tiere profitieren. Der Dung der Elefanten liefert wertvollen Dünger und bietet vielen Insekten und anderen Kleintieren Nahrung und Lebensraum.

Elefantenspuren als Mini-Tümpel

Doch es gibt noch einen weiteren Weg, durch den Elefanten zu Ökosystem-Ingenieuren und Lebensraum-Beschaffern werden – durch ihre Fußspuren. Schon 2017 hatten Forscher in Afrika herausgefunden, dass wassergefüllte Abdrücke der Dickhäuter oft eine ganze Lebenswelt an Wasserorganismen bergen. Jetzt haben Steven Platt von der Wildlife Conservation Society und sein Team ähnliches in Myanmar für Asiatische Elefanten festgestellt. Sie hatten für ihre Studie die Frösche und Krötenpopulation in einem Feuchtgebiet im Norden Myanmars untersucht.

Die Forscher wollten wissen, wo dort im März, am Ende der Trockenzeit, die Amphibien ihre Brutstätten haben. Als sie das Gebiet durchstreiften, fielen ihnen hunderte von tief eingedrückten Elefanten-Fußspuren auf. Diese waren bereits gut zwei Monate alt und von den Dickhäutern hinterlassen worden, als der Boden von der letzten Regenzeit noch feucht und weich war. In einigen dieser mehr als tellergroßen Fußstapfen stand selbst jetzt, mitten in der Trockenzeit noch Wasser. „Diese Abdrücke scheinen sich durch aussickerndes Grundwasser gefüllt zu haben“, mutmaßen Platt und sein Team.

Kinderstuben für Frösche und Kröten

Das Interessante daran: In 20 der wassergefüllten Elefanten-Abdrücke fanden die Wissenschaftler große Mengen an Froschlaich und Kaulquappen. Teilweise tummelten sich in einem einzigen Fußabdruck sogar mehr als 100 kleine Froschlarven, wie die Forscher berichten. Während die meisten Gewässer und Tümpel in der Umgebung längst ausgetrocknet waren, boten diese von Elefanten geschaffenen Mini-Wasserstellen dem Amphibiennachwuchs offenbar ein Refugium. Am Moos- und Pflanzenbewuchs war erkennbar, dass einige der Fußstapfen sogar mehr als eine Saison überdauert haben müssen, so Platt und seine Kollegen.

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„Die Elefantenspuren bieten den Fröschen und Kröten temporäre Kinderstuben, die in der Trockenzeit für ihr Überleben entscheidend sein könnten“, sagen die Forscher. Die Abdrücke sind nicht nur wässrige Refugien in einer sonst ausgetrockneten Umgebung, die Kaulquappen können hier auch weitgehend ohne Fressfeinde geschützt aufwachsen. Denn in den Elefantenabdrücken gibt es keine Fische, die sonst Laich und Larven fressen würden. Und noch eine ökologische Funktion könnten die Elefantenspuren übernehmen: „Die wassergefüllten Abdrücke könnten als Trittsteine dienen, die die Populationen von Fröschen und Kröten in der sonst trockenen Landschaft miteinander verbinden“, sagen die Biologen.

„Die Elefantenspuren sind damit für die Frösche wertvolle Immobilien“, betont Platt. „Unsere Studie unterstreicht die entscheidende und manchmal unerwartete Rolle, die Wildtiere in ihren Ökosystemen spielen. Wenn man eine Art verliert, kann man daher auch viele andere Spezies beeinträchtigen. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist, intakte Ökosysteme als Ganzes zu schützen.“

Quelle: Wildlife Conservation Society; Fachartikel: Mammalia, doi: 10.1515/mammalia-2017-0174

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