Warum es auf Ameisenstraßen keine Staus gibt - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Warum es auf Ameisenstraßen keine Staus gibt

An Engpässen auf ihren Straßen reagieren Ameisen wie Fußgänger an einer Baustelle: Sie warten auf einer Seite bis die entgegenkommenden Tiere vorüber sind und betreten dann den Durchgang. Auf diese Weise verhindern die Insekten Zusammenstöße und Verkehrsstaus an Engpässen. Das hat ein belgisch-französisches Forscherteam beobachtet. Dank dieser Taktik erzielen die Ameisen einen ebenso effizienten Futtertransport zum Nest wie ihre Artgenossen, die auf ihrem Weg zur Futterquelle keine Engpässe zu überwinden haben.

Bereits früher hatten Forscher beobachtet, dass der Verkehr auf Ameisenstraßen fast immer sehr geordnet fließt. Audrey Dussutour und ihre Kollegen untersuchten nun die Frage, wie die Ameisen den Verkehrsfluss an Engpässen kontrollieren. Dazu bereiten die Wissenschaftler zwei verschiedene Teststrecken für die Insekten vor: Die eine führte über eine breite Brücke vom Nest zur Futterquelle, bei der anderen mussten die Ameisen eine drei Millimeter schmale Brücke überqueren. Dieser Engpass konnte nur von maximal zwei Ameisen nebeneinander genutzt werden. Die Forscher bestimmten, wie viel Futter die Ameisengruppen jeweils in einer bestimmten Zeit zum Nest bringen konnten.

Zur ihrer Überraschung stellten die Wissenschaftler fest, dass beide Gruppen in derselben Zeit etwa die gleiche Futtermenge zum Nest brachten. Dabei zeigten die Ameisen am Beginn des Engpasses eine interessante Verhaltensweise: Die an einen Engpass kommenden Individuen warteten, bis die ihnen entgegen kommenden Ameisen die Stelle überquert hatten. Die Gruppe, die sich bis dahin angesammelt hatte, ging dann geschlossen durch die enge Stelle. In dieser Zeit warteten die Ameisen auf der anderen Seite. So werden Zusammenstöße von Ameisen, die vom Nest ausströmen, mit den von der Futterquelle kommenden verhindert, schließen die Forscher.

In einer früheren Studie hatte Dussutour dieses Verhalten bereits an Astgabelungen beobachtet: Ankommende Ameisen gehen zur Seite und warten, bis die ihnen entgegenkommenden die Engstelle passiert haben. Auch in den engen Verbindungsgängen zwischen einzelnen Nestern einer Kolonie hilft dieses Verhalten beim Transport von Futter und Individuen. Durch diese Regeln verbessern die Ameisen den Verkehrsfluss und können so lukrative Futterquellen optimal nutzen.

Audrey Dussutour (Université Paul Sabatier, Toulouse) et al.: Journal of Experimental Biology, Bd. 208, S. 2903

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ddp/wissenschaft.de ? Eva Maria Marquart
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