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Warum Frauen häufiger MS bekommen als Männer

Eine unterschiedliche Verteilung bestimmter Genvarianten könnte der Grund dafür sein, dass Frauen fast doppelt so häufig an Multipler Sklerose (MS) erkranken wie Männer: Im Erbgut von Frauen ist eine sehr aktive Form eines immunregulierenden Gens häufiger vertreten als bei Männern, hat ein internationales Forscherteam entdeckt. Dadurch ist das Immunsystem bei Frauen im Durchschnitt aggressiver und greift eher körpereigenes Gewebe an, wie es auch bei der Multiplen Sklerose der Fall ist. Das berichtet das Team um Brian Weinshenker von der Mayo-Klinik in Rochester in der Fachzeitschrift Genes & Immunity (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/sj.gene.6364164).

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Botenstoff Interferon gamma. Dieses Eiweißmolekül aktiviert die so genannten Fresszellen des Immunsystem, die eigentlich eindringende Organismen unschädlich machen sollen. Bei einer Überstimulation können sich die Immunzellen jedoch auch gegen eigenes Körpergewebe wie beispielsweise die Umhüllung von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark wenden. Wird diese beschädigt, ist die Signalweiterleitung gestört und es kommt zu den typischen Symptomen der MS wie Erschöpfung, Schwäche, Gleichgewichtsprobleme, Gefühllosigkeit und Sehstörungen. Da Interferon gamma diese Symptome verschlimmert, steht es schon länger im Verdacht, ein Schlüsselfaktor bei der Autoimmunerkrankung zu sein.

Bereits aus früheren Studien ist bekannt, dass Frauen mehr Interferon gamma produzieren als Männer. Da Frauen auch sehr viel häufiger von Multipler Sklerose betroffen sind, vermuteten Weinshenker und seine Kollegen einen Zusammenhang zwischen dem Geschlechtsunterschied und dem Botenstoff. Sie untersuchten das Erbgut von MS-Patienten und einer gesunden Kontrollgruppe auf Unterschiede im Interferon-gamma-Gen. Tatsächlich überwog bei den betroffenen Frauen eine Genvariante, die eine besonders hohe Interferonproduktion begünstigt. Bei Männern kam diese Form deutlich seltener vor.

Das Interferon-gamma-Gen ist einer, aber nicht der einzige wichtige genetische Faktor der Krankheit, kommentieren die Forscher. Er könnte jedoch die bislang ungeklärte Tatsache erklären, warum es so große Unterschiede bei der Häufigkeit zwischen Männern und Frauen gibt. Die Wissenschaftler hoffen, mithilfe ihrer Entdeckung neue Therapieansätze für die bis heute nicht heilbare Erkrankung entwickeln zu können.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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