Warum Gorillas an altem Holz knabbern - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Warum Gorillas an altem Holz knabbern

Berggorillas greifen zu einem ungewöhnlichen Nahrungsergänzungsmittel, um ihren Natriumbedarf zu decken: Sie kauen verrottendes Holz. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden, als sie eine Gruppe der pflanzenfressenden Primaten in einem ugandischen Schutzgebiet beobachteten und deren genaue Nahrungszusammensetzung untersuchten. Demnach enthält das zerfallende Holz zwar kaum Nährstoffe, stellt aber die wichtigste Natriumquelle für die Berggorillas dar.

Da die verwitterten Böden der Tropen relativ natriumarm sind, ist die ausreichende Versorgung mit dem Mineralstoff für dort heimische Tiere ein Problem. Aus diesem Grund entwickelten verschiedene Tierarten ganz unterschiedliche und manchmal sehr einfallsreiche Methoden, um ihre Nahrung mit Natrium anzureichern. Als die Forscher um Jessica Rothmann bei der Beobachtung einer Gruppe Berggorillas im Bwindi Impenetrable National Park deren ungewöhnliche Vorliebe für verrottendes Holz beobachteten, vermuteten sie deshalb eine hohe Natriumkonzentration in dem zweifelhaften Leckerbissen. Auch das Essverhalten der Tiere deutete darauf hin: Die Berggorillas kauten manchmal minutenlang auf einem Holzstück herum, um es danach wieder auszuspucken. Da Natrium wasserlöslich ist, ist dies eine effiziente Technik, um den Mineralstoff aus dem Holz zu lösen.

Um ihre Vermutung zu überprüfen, sammelten die Wissenschaftler Proben von Baumstümpfen, an denen die Berggorillas regelmäßig knabberten. Sie untersuchten diese Holzstücke auf ihren Gehalt an Natrium und anderen Nährstoffen und verglichen die Resultate mit Werten von Holz, das von den Tieren verschmäht wurde. Auch andere Nahrungsmittel der Primaten wurden zum Vergleich analysiert. Die Auswertungen ergaben, dass das von den Berggorillas begehrte Holz zwar arm an Proteinen und Zucker ist, dafür aber im Vergleich mit anderen Nahrungsmitteln sehr viel Natrium enthält. Über 95 Prozent des von den Tieren aufgenommenen Mineralstoffs stammen von verrottendem Holz, berichten die Wissenschaftler.

Ob verrottendes Holz auch von anderen in den Tropen lebenden Tieren als Natriumquelle verwendet wird, müsse in weiteren Studien geklärt werden, erklären die Forscher. Für den Schutz bedrohter Primaten sei eine genaue Kenntnis ihrer Ernährung sehr wichtig, da ungewöhnliche und nur in wenigen Gegenden vorkommende Nahrungsmittel für die Versorgung der Tiere mit ausreichend Mineralstoffen sehr wichtig sein können.

Jessica Rothmann ( Cornell-Universität, Ithaca) et al.: Biology Letters der britischen Royal Society, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rsbl.2006.0480 ddp/wissenschaft.de ? Andrea Boller
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