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Warum Haare ständig wachsen

Ein britischer Primatenforscher hat eine Antwort auf die Frage gefunden, warum Menschen so oft zum Friseur gehen müssen: Im Gegensatz zu fast allen anderen Säugetieren hören die Kopfhaare beim Menschen nicht bei einer bestimmten Länge zu wachsen auf ? und diese Besonderheit hat sich in der Frühzeit der menschlichen Evolution möglicherweise deswegen durchgesetzt, weil sie Rückschlüsse auf den sozialen Status eines Menschen zuließ. Denn nur, wer über viele soziale Kontakte verfügte, konnte seine Haarpracht umfassend pflegen und schmücken lassen, erklärt Adrian Barnett von der Roehampton-Universität in London.

Die maximale Länge eines Haars hängt von dessen Lebenserwartung ab. Während Beinhaare etwa nach zwei und Achselhaare ungefähr nach sechs Monaten ihr Wachstum einstellen und ausfallen, wachsen die Kopfhaare bei einem Menschen mindestens sechs Jahre lang ununterbrochen weiter. Verantwortlich für diese Besonderheit sind wahrscheinlich eine Reihe von Genveränderungen ? darunter eine, die vor etwa 240.000 Jahren auftrat. Etwa zur gleichen Zeit lernten die Frühmenschen, Feuer zu machen und es auch gezielt zu nutzen, etwa zum Heizen und Kochen, schreibt Barnett.

Das hatte seiner Ansicht nach auch einen Einfluss auf die Behaarung des Menschen: Da es nun andere Möglichkeiten gab, sich warm zu halten, überwogen nicht mehr die Vorteile einer dichten Körperbehaarung, sondern ihre Nachteile ? die stärkere Anfälligkeit für Parasiten, das uneffektive Schwitzen und die Verdeckung der Geschlechtsmerkmale. Daher bildete sich das Fell im Lauf der Zeit zurück. Gleichzeitig setzten sich die endlos wachsenden Kopfhaare mit ihrer aufwändigen Pflege durch, weil sie ein perfektes Indiz für den sozialen Status eines Menschen waren, so der Primatologe. Um nämlich seine Frisur in Ordnung zu halten, musste der Frühmensch ausreichend Vertraute und willige Helfer haben, die ihm bei der Haarpflege zur Hand gingen.

Später könnten Frisuren dann auch dazu gedient haben, eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren, glaubt Barnett. Möglicherweise gelten ungepflegte, verfilzte Haare deswegen auch heute noch als Zeichen für diejenigen, die am Rand der Gesellschaft leben. Zwar gebe es keine archäologischen Funde, die seine Thesen untermauern, doch zeigten schon die ältesten Darstellungen der Menschheit wie die Venus von Willendorf Figuren mit aufwändig geschmücktem Haar, erklärt Barnett. Er vermutet daher, dass das typische Bild vom Höhlenmenschen mit seinen langen, schmutzigen und filzigen Haaren wohl nie der Wahrheit entsprochen hat. „Die eindeutige Schlussfolgerung lautet also, dass Friseure ? zusammen mit Kriegern und Prostituierten ? den ältesten Beruf der Welt haben“, so Barnett.

New Scientist, 4. November, S. 39 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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