Warum Hamster im Herbst weniger Liebe machen - wissenschaft.de
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Warum Hamster im Herbst weniger Liebe machen

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Der Geschlechtstrieb Dsungarischer Zwerghamster nimmt im Herbst ab, wenn die Menge des Hormons Kisspeptin im Gehirn zurückgeht. Foto: Gregory Demas
Amerikanische Forscher haben eine Gemeinsamkeit im Liebesleben von Menschen und Zwerghamstern entdeckt: Das Hormon, das beim Menschen das Einsetzen der Pubertät steuert, ist auch bei männlichen Hamstern für das An- und Abschalten des Geschlechtstriebs verantwortlich ? und zwar jedes Jahr im Herbst, wenn die Tage kürzer werden. Zu dieser Zeit nimmt nämlich die Produktion des Hormons mit dem passenden Namen „Kisspeptin“ im Gehirn der Tiere deutlich ab. Die Konsequenz: Die Hamster fahren ihre Fortpflanzungsaktivitäten stark zurück und legen sogar ihre Geschlechtsorgane teilweise still. Kisspeptin ist bei den Nagern demnach die zentrale Schaltstelle, die Einflüsse von außen in körperliche Veränderungen umwandelt.

Dsungarische Zwerghamster (Phodopus sungorus) produzieren genau wie viele andere Nagetiere ihre Nachkommen fast ausschließlich im Frühjahr und Sommer, wenn es ausreichend Nahrung gibt. Im Herbst und Winter nehmen dagegen die meisten der Tiere Abstand von Fortpflanzungsaktivitäten, lediglich einige wenige Männchen pflegen ihr Liebesleben unverdrossen weiter. Um genauer zu verstehen, was dieses unterschiedliche Verhalten auslöst, teilten die Forscher in ihrer Studie 56 Hamster in zwei Gruppen ein: Eine lebte bei einem Tag-Nacht-Zyklus, wie er im Sommer vorkommt, während die andere bei eher winterlichen Tageslängen gehalten wurde.

Nach acht Wochen überprüften die Wissenschaftler dann, wie viel Kisspeptin in den Gehirnen der Tiere zu finden war. Das Hormon war bereits früher bei verschiedenen Tieren und auch dem Menschen mit der Fortpflanzung in Verbindung gebracht worden und galt daher als einer der wahrscheinlichsten Kandidaten für die Schalterposition. Das Ergebnis: Bei den Hamstern, die kurze Tage und lange Nächte erlebt hatten, war die Kisspeptinproduktion verglichen mit ihren im simulierten Sommer lebenden Artgenossen deutlich vermindert. Besonders betroffen waren dabei die Hirnregionen, die das Paarungsverhalten und die Fortpflanzung regulieren.

Dass das Hormon tatsächlich der gesuchte Schalter war, wurde durch ein weiteres Experiment bestätigt: Als die Forscher den Hamstern Kisspeptin spritzten, stiegen die Mengen bestimmter Geschlechtshormone bei allen Tieren etwa gleich stark an, unabhängig davon, ob sie unter sommerlichen oder winterlichen Bedingungen gelebt hatten. Auch beim Menschen steuert Kisspeptin die Freisetzung von Geschlechtshormonen, erklären die Wissenschaftler. Sie wollen nun untersuchen, ob es dort auch eine vergleichbare Schalterfunktion hat ? in einigen Studien hatte sich nämlich gezeigt, dass etwa in den USA die Fruchtbarkeitsrate im Herbst messbar absinkt.

Timothy Greives (Indiana University, Bloomington) et al.: Endocrinology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1210/en.2006-1249 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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