Warum legen Hasen keine Eier? - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Nachgefragt Umwelt+Natur

Warum legen Hasen keine Eier?

Er bringt sie - gelegt hat er sie allerdings nicht. (Foto: Leoba/iStock)
Es ist Osterzeit – das ist kaum zu übersehen, denn die beiden wichtigsten Symbole dieses Festes dominieren allerorts die Dekorationen: Grinsende Hasen und bunte Ostereier – der Osterhase bringt sie uns, heißt es. Selber produziert hat er sie allerdings nicht, das müssen Hühner erledigen, denn die Langohren sind bekanntlich Säugetiere und gebären im Gegensatz zu Vögeln bereits weit entwickelte Jungtiere. Doch warum gibt es diese beiden so unterschiedlichen Fortpflanzungs-Konzepte überhaupt?

„Für die Urahnen der Plazentatiere unter den Säugetieren war es ein Vorteil, bereits weit entwickelte Jungtiere in die Welt zu setzen. Dieses Konzept haben dann alle Arten, die sich aus ihnen entwickelt haben beibehalten“, sagt Klaus Eisler vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen. Das Eierlegen ist zwar das weitaus ältere evolutionäre Verfahren, es hat sich aber dennoch nicht als veraltet herausgestellt: „Sowohl Eierlegen als auch das lange Austragen der Jungtiere im Körper haben Vor- und Nachteile“, erklärt Eisler. Deshalb gibt es bis heute noch immer beide Konzepte nebeneinander.

„Das Verfahren der Säugetiere ermöglicht, dass bereits aktive Jungtiere zur Welt kommen. Damit verkürzt sich die Zeit, in der sie hilflos Feinden ausgeliefert sind“, sagt Eisler. Feldhasen werden beispielsweise sogar besonders weit entwickelt geboren: Als typische Nestflüchter kommen die Jungtiere mit einem vollständig ausgebildeten Haarkleid und geöffnete Augen zur Welt und wiegen bereits bis zu 180 Gramm. Die Tragzeit dauert deshalb allerdings etwa 40 Tage und ein Wurf besteht meist nur aus ein bis fünf Jungtieren. „Bei Vögeln würde eine entsprechende Trächtigkeit zu Gewichtsproblem führen“, sagt Eisler. „Bei ihnen hat sich die bewährte eierlegende Fortpflanzungsweise ihrer Reptilien-Vorfahren erhalten“.

Die Urahnen der Säugetiere legten noch Eier

Doch auch die Säugetiere haben sich ursprünglich aus reptilienartigen Wesen entwickelt, die noch Eier legten. Erst im Laufe der weiteren Evolution dieser Tiergruppe hat sich die lebendgebärende Fortpflanzungsweise dann entwickelt und durchgesetzt. Dass die Vorfahren der Säugetiere einst ebenfalls noch Eier legten, belegen die wenigen noch heute existierende Ausnahmen: Die sogenannten Kloakentiere, wie beispielsweise das Schnabeltier. Sie legen Eier, ernähren die draus schlüpfenden Jungtiere allerdings durch Milch.

Dass die weitere Evolution der Säugetiere erneut Arten hervorbringt, die wieder Eierlegen, sei allerdings nicht zu erwarten, sagt Eisler: „Einmal etablierte Systeme werden in der Regel weiterentwickelt und angepasst und nicht wieder zurückgedreht“. Auch die zukünftige Evolution der Feldhasen wird deshalb vermutlich nicht zu eierlegenden Versionen der Langohren führen. Es beleibt also weiterhin Arbeitsteilung angesagt: Die Hühner legen die Eier und die Hasen verstecken sie.

Anzeige

© wissenschaft.de – Martin Vieweg / dapd
Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

USA: Tornado-Alley verschiebt sich

Tornado-Häufigkeit nimmt im Mittleren Westen ab, im Südosten der USA dagegen zu weiter

BepiColombo startet zum Merkur

Europäisch-japanische Mission zum innersten Planeten beginnt weiter

Bach: Das Geheimnis seiner Hände

Enorme Handspanne könnte Virtuosität des berühmten Musikers und Komponisten erklären weiter

Elektron: Und es ist doch rund!

Bisher genaueste Messung des elektrischen Dipolmoments spricht gegen "neue Physik" weiter

Wissenschaftslexikon

Po|si|tiv  I 〈m. 1; Gramm.〉 die nicht gesteigerte Form des Adjektivs; Sy Grundstufe ( ... mehr

Com|pi|la|tion  〈[kmpıln] f. 10; Mus.〉 thematisch od. konzeptionell begründete Zusammenstellung mehrerer Musikstücke auf einem Tonträger [engl., ”Zusammenstellung; Sammelwerk“]

Grad|netz  〈n. 11; Geogr.〉 gedachtes, der Bestimmung der geografischen Lage u. der Orientierung dienendes, über die Erdkugel gezogenes Liniennetz

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige