Die schlauen Rabenvögel sind die wichtigsten Aasfresser in unserer Umgebung Warum Krähen so wichtig sind - wissenschaft.de
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Die schlauen Rabenvögel sind die wichtigsten Aasfresser in unserer Umgebung

Warum Krähen so wichtig sind

Aaskrähen
Beim Aasfressen erwischt: Zwei Krähen am Rattenkadaver. (Foto: Richard Inger)
Krähen haben einen eher schlechten Ruf, denn sie gelten als Kükentöter und „Leichenfledderer“. Doch wie nützlich und wichtig diese Rabenvögel gerade in unseren Städten sind, demonstriert nun ein Experiment britischer Forscher.

Ob in der Stadt oder auf dem Land, überall leben unzählige Tiere um uns herum – und sterben auch irgendwann. „Doch abgesehen von überfahrenen Tieren sehen wir nur sehr selten Aas in unserer Umgebung“, sagt Richard Inger von der University of Exeter. „Das liegt daran, dass andere Tiere sich als Aasfresser betätigen und sie so beseitigen.“ Aber welche Tiere sind es eigentlich, die uns diesen Aufräumdienst erweisen?

Mit Kamerafallen auf der Lauer

Um das herauszufinden, stellten die Forscher die heimische Fauna auf die Probe. Sie legten sowohl in städtischen Umgebungen wie in eher ländlichen Lebensräumen nahe der Stadt Falmouth 70 Rattenkadaver aus. Um die Besucher dieses Aasangebots auf frischer Tat zu ertappen, waren alle toten Ratten im Blickfeld einer per Bewegungssensor aktivierten Kamera. Sobald sich ein Tier dem Kadaver näherte, begann sie zu filmen, tagsüber im sichtbaren Licht, nachts im Infrarot.

Das Ergebnis: Insgesamt 17 verschiedene Tierarten gingen den Biologen in ihre Kamerafalle, doch nur sieben davon fraßen auch tatsächlich an den Rattenkadavern, darunter Elstern, Heringsmöwen, Füchse, Dachse, ein Bussard und zahlreiche Aaskrähen (Corvus corone). „Es ist ein wenig unappetitlich, aber Krähen und andere Aasfresser leisten uns damit wertvolle Dienste – auch wenn sie sich damit eher unbeliebt machen“, sagt Inger. „Ohne sie würden sich verrottende Tierkadaver in unserer Umgebung häufen und eine echte Gesundheitsgefahr darstellen.“

Krähen sind die wichtigsten Aasfresser

Mit Abstand die häufigsten und effektivsten Aasbeseitiger jedoch waren die Krähen: 98 Prozent der Zeit fraßen sie an den Rattenkadavern und trugen damit entscheidend dazu bei, sie verschwinden zu lassen. Vor allem in den stark fragmentierten städtischen und stadtnahen Umgebungen hilft der Krähe ihre Anpassungsfähigkeit und Mobilität dabei, Tierkadaver aufzuspüren und zu beseitigen. „Trotz dieser wichtigen Funktion ist die Aaskrähe eine der unbeliebtesten Vogelarten in Großbritannien und darf bei uns ganz legal als ‚Schädling‘ getötet werden“, kritisieren die Biologen.

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Das aber sei sehr kurzsichtig gedacht. „Wir wissen, was passieren kann, wenn natürliche Aasfresser ausfallen, wie dies in den 1990er Jahren in Indien der Fall war“, berichtet Inger. Damals vergifteten sich die indischen Aasgeier massenhaft an einem Tiermedikament, das Rindern verabreicht worden war. Als Folge wurden die weiter anfallenden Tierkadaver nun nicht mehr von den Geiern beseitigt, sondern dienten streunenden Hunden als Futter. „Dadurch jedoch vermehrten sich diese stark und führten zu einem enormen Anstieg der Tollwutfälle in Indien“, so der Forscher.

Genaues Hinschauen ist wichtig

Wie die Forscher betonen, unterstreicht dies nicht nur die wichtige Rolle der oft eher unbeliebten Aaskrähen in unserer Umgebung. Das Experiment demonstriert auch, dass bestimmte Tierarten auf lokaler Ebene für solche Ökosystemdienste besonders wichtig sind. „Unsere Ergebnisse bestätigen jüngste Erkenntnisse, nach denen nicht immer eine große Artenvielfalt nötig ist, um bestimmte Funktionen im Ökosystem abzudecken“, so Inger. Vor allem auf lokale Ebene könne es gut sein, dass eine Tierart – in diesem Fall die Aaskrähe – dabei stark dominiert.

„Es ist daher entscheidend, dass wir verstehen, welche Ökosystemdienstleistungen von wem abgedeckt werden“, sagt Ingers Kollege Kevin Gaston. „Manchmal, wie in diesem Fall, ist eine Tierart besonders wichtig. In anderen Fällen kann es dagegen erst das Zusammenwirken vieler sein.“

Quelle: University of Exeter, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/srep29641

© natur.de – Nadja Podbregar
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