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Warum Männer anders als Frauen auf Medikamente reagieren

Die Aktivität der Gene unterscheidet sich bei Männern und Frauen viel stärker als gedacht. Das haben amerikanische Forscher an Untersuchungen mit Mäusen herausgefunden. Bisher waren erst gut tausend Gene bekannt, die in der Leber und im Gehirn je nach Geschlecht unterschiedlich stark aktiviert werden. Die Forscher fanden nun jedoch auch im Fett- und Muskelgewebe eine Vielzahl von Genen, die bei Männern und Frauen verschieden schnell in Eiweiße umgesetzt werden. Daher reagieren die beiden Geschlechter ungleich auf Krankheiten und Medikamente.

Unter der so genannten Genexpression verstehen Biologen den Prozess, bei dem die Information eines Gens in sein jeweiliges Produkt, oft ein Eiweiß, umgesetzt wird. Die Proteine bilden Zellstrukturen, transportieren Moleküle oder erkennen wichtige Signalstoffe, sind für das Leben also unentbehrlich. Eine Funktionsstörung der betreffenden Gene kann daher zu schwerwiegenden Krankheiten führen. Das Forscherteam um Xia Yang untersuchte nun mehr als 23.000 Gene aus dem Gehirn-, Leber-, Fett- und Muskelgewebe von männlichen und weiblichen Mäusen. Da 99 Prozente der Gene von Mensch und Maus übereinstimmen, sind die Nager geeignete Tiermodelle für die Erforschung genetischer Krankheiten des Menschen.

Obwohl die Gene bei den männlichen und weiblichen Mäusen grundsätzlich die gleiche Funktion haben, weisen mehr als die Hälfte der Gene aus diesen Gewebearten je nach Geschlecht ein unterschiedliches Expressionsmuster auf, fanden die Forscher heraus. Zwar konnten bereits frühere Studien zeigen, dass in der Leber rund 1.000 und im Gehirn etwa 60 Gene vorkommen, die sich je nach Geschlecht unterschiedlich verhalten. Die amerikanischen Wissenschaftler haben nun aber über zehnmal mehr solche Gene entdeckt.

„Unsere Resultate weisen darauf hin, dass das Geschlecht bestimmt, wie schnell der Körper die Erbinformation in Proteine umschreibt“, erklärt Yang. Daher hänge es stark vom Geschlecht ab, wie sich Krankheiten entwickeln und wie der Körper auf Medikamente reagiere. Aspirin schütze Männer beispielsweise wirksamer vor Herzinfarkten als Frauen. „Dies hängt vielleicht damit zusammen, dass Frauen das Aspirin schneller abbauen als Männer“, so Yang. Die neuen Erkenntnisse sollen laut den Wissenschaftlern helfen, die Ursachen von Herzkrankheiten, Diabetes oder Fettleibigkeit zu verstehen. Zudem hoffen die Forscher, nun geschlechtsspezifische Therapien für diese Krankheiten entwickeln zu können.

Xia Yang (Universität von Kalifornien, Los Angeles) et al.: Genome Research (August 2006) ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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