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Warum Menschenkinder so langsam wachsen

Die typische Wachstumskurve eines Kindes mit langsamem Größerwerden in jungen Jahren und einem Wachstumsschub in der Pubertät hilft den Eltern, die Kinder optimal mit Nahrung zu versorgen. Das haben zwei amerikanische Forscher am Beispiel von zwei Jäger- und Sammlerkulturen nachgewiesen. Nur beim menschlichen Wachstumsmodell stimmt demnach die Kosten-Nutzen-Rechnung auch dann, wenn Eltern von ihnen abhängige Nachkommen verköstigen müssen.

Das Wachstum des Menschen unterscheidet sich von dem aller anderen Primaten: Menschenkinder wachsen in der Zeit zwischen dem Abstillen und dem Einsetzen der Pubertät im Verhältnis sehr langsam und erreichen dann in einem Wachstumsschub relativ schnell ihre endgültige Größe. Während dieses verzögerten Wachstums müssen die Eltern genügend Nahrungsenergie besonders für das Gehirnwachstum und das Erlernen verschiedener Fähigkeiten bereitstellen, die sich später in erhöhter Produktivität auszahlen – was lange Abhängigkeit des Nachwuchses für die Eltern zu einer Belastung macht.

Das ungewöhnliche Wachstumsmuster hat sich wahrscheinlich im Lauf der Evolution entwickelt, um diese Kosten zu minimieren, glauben die Forscher. Sie berechneten, wie viele Kalorien Eltern in ihren Nachwuchs investieren müssen und verglichen dabei die Kosten-Nutzen-Rechnung bei unterschiedlichen Wachstumskurven: der typisch menschlichen, einer linearen, in der der Nachwuchs immer gleich schnell wächst, und einer schimpansenartigen, bei der es sehr früh bereits einen Wachstumsschub gibt. Das Ergebnis: Die menschliche Wachstumskurve ist eindeutig die, bei der die Eltern die meiste Energie sparen. Abhängig von der Kindersterblichkeit und der Fruchtbarkeit müssten Eltern bei einem linearen Wachstum mit bis zu 6 Prozent und bei einem schimpansenähnlichen mit bis zu 44 Prozent mehr Energiebedarf ihrer Kinder rechnen.

Beim Menschen mit seiner aufwändigen und komplexen Jagdstrategie zahlt es sich nicht aus, sehr früh sehr groß zu sein, schreiben die Forscher. Ein größeres Gehirn und längere Zeit zum Lernen seien dagegen sehr von Vorteil. Sie vermuten, dass sich die menschliche Wachstumskurve im Lauf der Evolution als optimal für die Kombination dieser Bedingung mit einer maximalen Fruchtbarkeit erwiesen hat. Diese Theorie werde beispielsweise dadurch gestützt, dass sich in Hungerperioden das Wachstum noch länger verzögere und der pubertäre Schub noch ausgeprägter sei als bei ausreichender Nahrungszufuhr.

Michael Gurven ( Universität von Kalifornien, Santa Barbara) & Robert Walker ( Universität von New Mexico, Albuquerque): Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2005.3380) ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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