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Warum Namen mehr sind als Schall und Rauch

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Namen beeinflussen die Partnerwahl genauso wie die Wahl der Wohnortes oder andere Vorlieben. Foto: PhotoCase.com
Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Namen und wichtigen Entscheidungen im Leben, sagen amerikanische Forscher: Man bevorzugt Dinge und Menschen, deren Namen dem eigenen ähneln. Das gilt für die Partnersuche genauso wie für die Berufwahl und die Vorlieben beim Essen. Hervorgerufen wird diese Neigung durch die Tendenz des Menschen, die eigene Person und alles, was damit zusammenhängt, großartig zu finden – also auch den eigenen Namen. Wer sich mit Dingen ähnlichen Namens umgibt, betont dieses positive Selbstwertgefühl.

„Name ist Schall und Rauch“, lässt Goethe seinen Faust sagen. Hätte der Dichter allerdings damals schon die Arbeiten des US-Psychologen John Jones gekannt, hätte er diesen Satz vielleicht noch einmal überdacht: Namen sind mitnichten bedeutungsloser Klang, lautet nämlich das Fazit des Forschers nach einer ganzen Reihe von Studien. Sie können vielmehr das ganze Leben prägen – vom Lieblingsschokoriegel über die Partnersuche bis hin zur Berufswahl.

Namen, so das Credo des Psychologen, beeinflussen immer dann eine Entscheidung, wenn sie dem eigenen ähneln, getreu dem Motto „gleich und gleich gesellt sich gern“. Dafür hat Jones mehrere Belege gefunden – die ersten davon in Heiratsregistern aus den amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts, berichtet das Magazin „bild der wissenschaft“ in seiner Februarausgabe. Betrachtet man in diesen Heiratsregistern nämlich die fünf häufigsten Namen unter den weißen Einwohnern, findet man ungewöhnlich viele Ehen zwischen Partnern mit den gleichen Namen.

Wählte etwa ein Mr. Smith eine Frau, die einen dieser fünf Namen trug, war es in jedem zweiten Fall eine Miss Smith. Das lag jedoch nicht an einer überwältigenden Attraktivität der Smith-Mädchen: Die Träger anderer Namen zeigten keine ausgeprägte Vorliebe für diese Damen, dafür aber umso mehr für Heiratskandidatinnen, die wiederum ihren Namen trugen. Nun könnten Kritiker wohl nicht zu Unrecht anmerken, dass zu diesen Zeiten bevorzugt in der eigenen Verwandtschaft geheiratet wurde. Doch Jones und seine Kollegen haben noch weitere Belege für die merkwürdigen Namensvorlieben gefunden.

Dabei ging es wieder ums Heiraten, diesmal in Florida. Auch die Paare, die sich dort zwischen 1823 und 1965 die Treue schworen, bevorzugten bestimmte Namen, und zwar solche, bei denen der Anfangsbuchstabe mit ihrem eigenen übereinstimmte. Diese Neigung zu den gleichen Initialen spiegelt laut Jones eine allgemeine Vorliebe für die Buchstaben des eigenen Namens wider, und die ist wiederum eine Erscheinungsform einer grundlegenden Eigenschaft des Menschen – nämlich der Tendenz, sich selbst toll zu finden. „Implicit Egotism“, also „unbewusste Ichbezogenheit“, nennen Jones und seine Kollegen diese Neigung, wenn sie auf abstrakte Dinge wie den Namen und sogar dessen Buchstaben übertragen wird.

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Den Effekt kann man auch im Labor nachweisen, zeigte die Jones-Gruppe in einer weiteren Studie. Dazu lud sie männliche Freiwillige ein, die auf der Suche nach einer Partnerin waren, und legten ihnen vermeintliche Kontaktanzeigen vor. Die Frau, die darauf angeblich einen Partner suchte, war eigentlich nichts Besonderes – bis auf ihren Namen: Der war immer eine Abkürzung des Namens des jeweiligen Teilnehmers. „Larry Murray“ las also eine Anzeige von „Stacey Mur“.

Und siehe da: Die Damen ähnlichen Namens kamen bei den suchenden Herren besser an als potenzielle Partnerinnen ohne dieses besondere Merkmal. Das galt allerdings nur dann, wenn die Forscher zuvor das positive Selbstbild der Probanden angekratzt hatten – etwa, indem sie ihnen ihre größte Schwäche vor Augen führten. In diesen Momenten kompensieren Menschen die Angst vor Erniedrigung damit, dass sie die eigene Person unbewusst aufwerten und besonders stark nach übereinstimmenden Namensteilen suchen, so die Interpretation von Jones und seinem Team.

Auch die Wahl des Wohnortes ist anfällig für den Namenseinfluss, haben die Forscher aufgedeckt. So leben in Florida etwa mehr „Florences“ als statistisch zu erwarten wäre, und auch in anderen US-Staaten gibt es überdurchschnittlich viele Einwohnerinnen mit passenden Vornamen. In Virginia und Georgia liegt die Anzahl der Virginias und Georgias sogar 36 Prozent höher, als die Statistik voraussagt, berichtet „bild der wissenschaft“. Das geht nicht allein darauf zurück, dass die Eltern es witzig finden, ihren Sprösslingen den Namen ihres Staates geben – den Effekt findet man auch, wenn nur die Zugezogenen berücksichtigt werden.

Der Vorname prägt laut John Jones aber nicht nur den Wohnort, sondern auch den Beruf: „Lawrences“ und „Lauras“ tendieren etwa dazu, überdurchschnittlich häufig Rechtsanwalt, also „lawyer“ zu werden, während Männer mit Vornamen wie „Dennis“ sich eher für den Zahnarztberuf, „dentist“, entscheiden. Sogar Schokoriegel sind nicht sicher vor dem Namenseinfluss – eine Erkenntnis, die nicht von Jones, sondern von seinem französischen Kollegen Miguel Brendl aus Fontainebleau stammt. Als der Marketingforscher Studenten eine Süßigkeiten-Hitliste aufstellen ließ, platzierten diese genau solche Riegel vorne, deren Namen mit dem gleichen Buchstaben begannen wie ihr eigener Vorname.

In allen Fällen handelt es sich laut John Jones und auch nach Ansicht anderer Psychologen um automatische Reaktionen, die allein auf ein Gefühl zurückgehen und damit irrational sind. Daher sollte man diese Vorlieben auch nicht zu genau analysieren: Sobald man nämlich anfängt, intensiv über die merkwürdige Anziehungskraft nachzudenken, verschwindet sie.

Jochen Paulus: „Namen sind nicht Schall und Rauch“, in: bild der wissenschaft 2/2007, S. 62 ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
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