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Warum nicht jeder telefonieren und Radio hören gleichzeitig kann

Wie gut jemand mit einem Ohr einem Freund zuhören und mit dem anderen gleichzeitig den Anrufbeantworter abhören kann, wird hauptsächlich von seinen Genen bestimmt. Das zeigen Studien amerikanischer Wissenschaftler mit ein- und zweieiigen Zwillingen, denen über Kopfhörer zur selben Zeit zwei Stimmen vorgespielt wurden. Die Fähigkeit, zwei gleichzeitig gehörte Wörter zu verstehen, ist unter anderem wichtig, um eine Stimme von unwichtigen Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden. Möglicherweise hat sie auch einen Einfluss darauf, wie gut Kinder sprechen lernen.

Die Wissenschaftler spielten 138 eineiigen und 56 zweieiigen Zwillingspaaren über Kopfhörer simultan zwei Stimmen vor. Die eine sprach ein einsilbiges Wort oder eine sinnlose Silbe in das rechte Ohr, die andere in das linke Ohr. Anschließend sollten die Teilnehmer beide Silben oder Wörter wiedergeben. Dabei stellte sich heraus, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Teilnehmern gab. Darüber hinaus zeigten die eineiigen Zwillingspaare eine größere Ähnlichkeit in ihren Ergebnissen als die zweieiigen. Eineiige Zwillinge stimmen zu 100 Prozent in ihrem Erbgut überein, zweieiige nur zu etwa zur Hälfte. Je mehr sich ein eineiiges Zwillingspaar in seiner Fähigkeit, die Silben zu verstehen, ähnelt, desto mehr Einfluss haben demzufolge die Gene. Die Forscher konnten zeigen, dass die Vererbung die individuellen Unterschiede in der Wahrnehmungsfähigkeit deutlich stärker prägt als die Umwelt.

Ist jemand unfähig, gleichzeitig mit beiden Ohren unterschiedliche Geräusche wahrzunehmen, deutet das auf eine gestörte Kommunikation zwischen den beiden Hirnhälften hin, erklären die Wissenschaftler. Solche Störungen treten beispielsweise bei Kindern mit Sprachschwierigkeiten oder Schlaganfallpatienten auf, ohne dass das Gehör an sich beeinträchtigt ist. Die Wissenschaftler hoffen, mithilfe ihrer Ergebnisse besser verstehen zu können, wie bestimmte Wahrnehmungsstörungen entstehen und welchen Einfluss sie auf die Sprachentwicklung oder die Entstehung von Lernstörungen haben.

Robert Morell ( National Institutes of Health) et al.: Human Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1007/s00439-007-0384-5 ddp/wissenschaft.de ? Larissa Kessner
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