Warum Pfefferminztee gegen Bauchschmerzen hilft - wissenschaft.de
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Warum Pfefferminztee gegen Bauchschmerzen hilft

Schon Kinder wissen: Wenn man Bauchschmerzen hat, bekommt man eine Tasse Pfefferminztee, ob man will oder nicht. Doch Minze ist nicht nur eines der bekanntesten Hausmittel, sie hat sich in jüngster Zeit auch als erstaunlich hilfreich für Menschen mit einem Reizdarmsyndrom erwiesen ? jener bisher unerklärlichen Überempfindlichkeit des Darms, die sich in Durchfall, Verstopfung, Blähungen und damit einhergehenden Schmerzen äußert. Verantwortlich dafür wurde bisher vor allem der entkrampfende Effekt des Heilkrauts gemacht: Es stimuliert einen Einstrom von Kalziumionen in die Zellen der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Traktes und sorgt so für deren Entspannung. Doch das scheint nicht die ganze Geschichte zu sein, haben australische Forscher nun in einer Studie mit Mäusen entdeckt: Das Menthol in der Minze aktiviert zusätzlich offenbar einen Anti-Schmerz-Kanal in den Wänden des Dickdarms und dämpft so die Schmerzwahrnehmung.

Der betreffende Kanal hört auf den sperrigen Namen TRPM8 und ist ein Verwandter eben jenes Rezeptors, der auf den Chili-Scharfmacher Capsaicin reagiert und bei Kontakt mit selbigem das typische Brennen auslöst. TRPM8 dagegen ist auf Kältereize spezialisiert ? sowohl auf solche, die auf tiefe Temperaturen zurückzuführen sind als auch auf diejenigen, die durch kühlende Substanzen wie etwa Menthol hervorgerufen werden. Trotz ihres eher gegensätzlichen Charakters kommen TRPM8 und TRPV1 in manchen Nervenenden gemeinsam vor, beispielsweise in der Harnblase, hatten Forscher bereits früher zeigen können. Deshalb fragten sich Andrea Harrington vom Royal Adelaide Hospital und ihre Kollegen nun, ob eine solche Koexistenz möglicherweise auch im Darm zu finden ist ? und ob sie der schon häufig beobachteten Schmerzlinderung zugrunde liegt, die viele Reizdarmpatienten nach der Einnahme von Pfefferminzöl verspüren.

Bei verschiedenen Tests mit Mäusen, denen unter anderem der extrem stark kühlende Wirkstoff Icilin verabreicht wurde, konnten die Forscher zeigen: Es gibt tatsächlich auch in der muskulösen Dickdarmwand Nervenenden, die sowohl TRPM8 als auch TRPV1 enthalten. Zusätzlich kommt manchmal sogar noch ein dritter Vertreter der TRP-Familie namens TRPA1 vor, der vor allem auf mechanische Reize reagiert. Diese drei scheinen miteinander in engem, zum Teil sogar direktem molekularen Kontakt zu stehen, konnten die Wissenschaftler weiter nachweisen: Stimulierten sie TRPM8 mit Hilfe des Kühlmittels, nahm kurz darauf die Empfindlichkeit bei beiden anderen Rezeptoren ab.

Genau das ist nach Ansicht der Forscher das Geheimnis der Pfefferminze. Ein Reizdarmsyndrom, erläutern sie, entsteht häufig nach einer akuten Entzündung im Verdauungstrakt. Eine solche Entzündung hinterlässt die Nervenenden bekanntermaßen übersensibel ? sie reagieren bereits bei der geringsten Reizung. Gibt man nun Menthol in den Darmtrakt, dockt es an TRPM8 an und aktiviert damit den Kälte-Rezeptor. Dieser beginnt dann, seine beiden Cousins zu beruhigen und ihre Empfindlichkeit drastisch herunterzusetzen. Die Folge ist genau der beabsichtigte Effekt: Die übertriebene Sensibilität verschwindet, und die schmerzerzeugende Aktivität der beiden Rezeptoren wird gedämpft. Als nächstes wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, ob es sich bei diesem um eine Dreiecksbeziehung handelt, bei der TRPM8 mit seinen beiden Verwandten gleichzeitig wechselwirkt, oder ob der Kälte-Kanal nur einen der beiden bremst und dieser dann auf den anderen einwirkt. So hoffen sie, ein Medikament entwickeln zu können, das im Prinzip wie die Pfefferminze wirkt, aber einen stärkeren Effekt hat.

Andrea Harrington (Royal Adelaide Hospital, Adelaide) et al.: Pain, Online-Vorabveröffentlichung, doi: doi:10.1016/j.pain.2011.01.027 wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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