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Warum Selber-Kitzeln nicht lustig ist

Ein britisch-kanadisches Forscherteam hat entdeckt, warum Menschen sich nicht selber kitzeln können: Bei Berührungen mit der eigenen Hand berechnet das Gehirn den Zeitpunkt des Kontakts voraus und dämpft alle Nervensignale, die um diesen Zeitpunkt herum vom entsprechenden Körperteil ausgesendet werden. Dadurch gelangen unwichtige Reize nur schwach oder gar nicht ins Bewusstsein, und das Gehirn kann sich besser auf wichtige Signale aus der Umwelt konzentrieren.

Damit das Gehirn nicht von der Fülle der Informationen, die ständig auf unsere Sinne einströmen, überfordert wird, muss es eine strikte Prioritätenliste erstellen. Ganz oben auf dieser Liste stehen alle Reize, die von außen an den Körper herangetragen werden, wie optische und akustische Signale sowie Berührungen durch fremde Gegenstände. Berührungen mit der eigenen Hand oder auch einem anderen Körperteil rangieren dagegen auf der Prioritätenliste ganz unten, da solche Reize dem Gehirn keine neuen Informationen liefern.

Um zu untersuchen, wie das Gehirn solche Berührungen aus der Informationsflut herausfiltert, baten die Forscher 30 Probanden, ihre linke Handfläche mit ihrem rechten Zeigefinger zu berühren ? allerdings nicht direkt, sondern vermittelt durch einen computergesteuerten Hebel zwischen Finger und Handfläche, der die Berührung des Fingers simulierte. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler den Kontaktzeitpunkt verzögern oder beschleunigen. Während des Tests sollten die Teilnehmer angeben, ob die Berührung mit dem eigenen Finger stärker oder schwächer war als eine vorhergehende automatische Berührung mit dem Hebel.

Das Ergebnis: Immer dann, wenn der Hebel die Fingerbewegung ohne Verzögerung oder Beschleunigung auf die Handfläche übertrug, empfanden die Teilnehmer die Berührung als deutlich schwächer als die Kontrollberührung. Wich der Kontaktzeitpunkt dagegen vom erwarteten Zeitpunkt ab, erschienen ihnen Kontroll- und Testberührung gleich stark. Die zeitliche Vorhersage des Zeitpunkts der Berührung spielt demnach eine Schlüsselrolle bei der Empfindungsdämpfung, schließen die Forscher. Andere Faktoren wie die gezielte Bewegung des Fingers oder die Tatsache, dass der Körper die Berührung mit der eigenen Hand an zwei Körperstellen gleichzeitig wahrnimmt, seien dagegen eher weniger beteiligt.

Paul Bays ( University College London) et al.: Current Biology, Bd. 15, S. 1125

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