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Warum Springspinnen auf Blut stehen

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Mücken, die zuvor ein Säugetier gestochen haben, gelten bei den Spinnen als kulinarisches Highlight.
Springspinnen der Art Evarcha culicivora finden ihre Partner besonders attraktiv, wenn diese nach Blut duften ? genauer gesagt, nach Blut von Säugetieren, das sie aufnehmen, indem sie vollgesogene Stechmücken fressen. Das haben neuseeländische Wissenschaftler herausgefunden. Sowohl männliche als auch weibliche Springspinnen hielten sich in den Versuchen der Forscher länger in der Nähe potenzieller Partner auf, wenn diese zuvor Stechmücken verspeist und sich somit indirekt von Säugetierblut ernährt hatten. Die Attraktivität des Gegenübers stieg dabei zunehmend, je länger dieses bereits Blut auf dem Speiseplan hatte. In weiteren Versuchen will das Team um Fiona Cross von der University of Canterbury in Christchurch klären, ob die Blutmahlzeiten die Qualität und/oder Quantität der produzierten Spinneneier und -samen steigern.

Bekannt war bereits, dass sich die in Ostafrika beheimatete Springspinne Evarcha culicivora vorzugsweise von blutsaugenden Stechmücken ernährt ? obwohl Zuckmücken, die allerdings nur Nektar und Honigtau zu sich nehmen, dort wesentlich häufiger vorkommen und somit auf den ersten Blick eine lohnendere Beute wären. In ihren Versuchen überprüften die Forscher nun ihre Hypothese, nach der die Blut-Mahlzeiten den Geruch der Spinnen verändern könnten. Dazu setzten sie jeweils eine Spinne in einen Kasten, der über eine Plastikröhre mit einem zweiten Kasten verbunden war. Vom zweiten Kasten aus führte ein Ausgang ins Freie. In der Plastikröhre platzierten sie die zweite Spinne, die nun entweder zu der ersten Spinne oder aber in den zweiten Kasten und von dort ins Freie krabbeln konnte.

Die Spinnen hatten zuvor unterschiedliche Mahlzeiten erhalten: mit Blut vollgesogene Stechmückenweibchen, Stechmückenmännchen, die kein Blut saugen können, Stechmückenweibchen, die sich von einer Zuckerlösung ernährt hatten, und Zuckmücken. Sowohl die Spinnenmännchen als auch die Spinnenweibchen fanden ihr Gegenüber am anziehendsten, wenn dessen letzte Mahlzeit ein mit Blut vollgesogenes Mückenweibchen war. Die Verweildauer stieg dabei noch an, je mehr Blutmahlzeiten die Tiere zu sich genommen hatten.

Im Gegenzug sank das Interesse am potenziellen Partner, wenn dieser nach mehreren Blutmahlzeiten zuletzt eine Zuckmücke oder eine vegetarisch ernährte Stechmücke verspeist hatte. Wurden zwei Weibchen oder zwei Männchen in den Versuchskasten gesetzt, war die Verweildauer zwar ebenfalls am längsten, wenn das Gegenüber zuvor Blut genossen hatte. Der Effekt fiel jedoch bedeutend schwächer aus. Daraus schließen die Forscher, dass die Blutmahlzeiten nicht etwa zur Arterkennung der Spinnen untereinander dienen, sondern tatsächlich ein Kriterium für die Partnerwahl sind. Sie wollen daher in künftigen Versuchen überprüfen, ob Quantität und Qualität der von den Spinnenweibchen und -männchen produzierten Eier beziehungsweise Samen in Zusammenhang mit der Blut-Diät steht.

Fiona Cross (University of Canterbury, Christchurch), PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0904125106 ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht
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