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Warum Vogeleier so häufig getüpfelt sind

Die rotbraunen Punkte und Flecken auf den Eierschalen vieler Vögel dienen nicht der Tarnung, sondern helfen bei der Stabilisierung der Schale: Mangelt es Vogelmüttern bei Aufbau der Eierschalen an Kalzium, ersetzen sie das Mineral durch den auch im Blut enthaltenen Farbstoff Protoporphyrin. Das hat ein britisches Forscherteam bei einer Untersuchung von Kohlmeisen und deren Eiern entdeckt.

Besonders bei Sperlingsvögeln finden sich in der ansonsten weißen Eierschale häufig unterschiedlich große, braunrote Flecken. Wissenschaftler vermuteten bislang, dass diese Pigmentierung die Eier für Räuber schwerer erkennbar machen soll. Die Färbung kommt jedoch bei verschiedenen Vogelarten vor, die nicht alle von einer solchen Tarnung profitieren. So bedecken beispielsweise Kohlmeisen ihre Eier im Nest mit Zweigen oder Gras, so dass das Gelege von oben kaum sichtbar ist. Auch sind die dunklen Flecken meist nicht gleichmäßig über das gesamte Ei verteilt, sondern konzentrieren sich beispielsweise rund um das breite Ende.

Gosler und seine Kollegen vermuteten daher, dass die Flecken eher mit der Nährstoff- und besonders der Kalziumversorgung des Muttertiers zusammen hängt. Sie untersuchten daher die Eierschalen von Kohlmeisen, an deren Nistplätzen der Boden unterschiedlich viel Kalzium enthielt. Dieses Element ist der Hauptbestandteil der Eierschale und muss von den Vögeln täglich mit der Nahrung aufgenommen werden. Tatsächlich fanden die Wissenschaftler einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Kalziumgehalt des Bodens, der Eierschalendicke und der Pigmentierung: Vögel mit Kalziummangel produzierten Eier mit deutlich dünneren Schalen und sehr viel mehr Flecken als ihre besser versorgten Artgenossen.

Der Farbstoff Protoporphyrin erfüllt dabei wahrscheinlich zwei Funktionen in der Schale, schreiben die Forscher: Einerseits ist er elastischer als das restliche Schalenmaterial und kann damit Stöße an den dünneren Bereichen besser abfedern. Andererseits reflektiert er auftreffendes Infrarotlicht besser als der Schalenkalk, so dass sich die Flecken bei Bestrahlung mit Sonnenlicht weniger aufheizen als der Rest der Schale. Auf diese Weise verhindern die Vögel, dass an den dünneren Schalenbereichen zuviel Wasser verdunstet und der heranwachsende Embryo gefährdet wird.

Andrew Gosler (Universität Oxford) et al.: Ecology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1111/j.1461-0248.2005.00816.x)

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