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Warum Wale singen

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Wale singen um die Gunst der Weibchen zu erwecken, nicht um sich unliebsame Rivalen vom Hals zu halten.
Männliche Buckelwale singen, um einsame Weibchen zu bezirzen ? und nicht, um Konkurrenten um deren Gunst abzuschrecken oder herauszufordern. Das schließen australische Forscher aus Beobachtungen an 114 singenden Walen, die sie im Lauf von drei Jahren gesammelt hatten. Die Männchen lassen ihren charakteristischen Gesang demnach hauptsächlich dann erklingen, wenn sie sich in der Nähe eines Mutter-Kind-Paares befinden, das nicht von einem anderen Männchen begleitet wird. Diese Verführungsstrategie hat allerdings einen unerwünschten Nebeneffekt: Potenzielle Rivalen brauchen lediglich die Ohren zu spitzen und den Gesängen zu folgen, um die fruchtbaren Weibchen zu finden.

Im September und Oktober der Jahre 2002, 2003 und 2004 überwachten die Wissenschaftler einen 15-Kilometer-Radius vor der Ostküste Australiens, indem sie von Booten und einem Hügel aus Ausschau nach Buckelwalen hielten. Zusätzlich registrierten fünf 1,5 Kilometer vor der Küste angebrachte Unterwassermikrophone die Laute der Tiere, die auf dem Weg von ihren Nahrungsgründen in der Nähe des Äquators zu ihren Brutplätzen im Süden unterwegs waren.

Die Ausbeute waren 114 singende Männchen, von denen 66 Kontakte mit Artgenossen hatten, berichten die Forscher. Von diesen 66 wiederum gesellten sich die meisten zu solchen Gruppen, zu denen auch Muttertiere mit ihren Kälbern gehörten ? vorausgesetzt, diese wurden nicht von einem Männchen begleitet. In einer solchen Gesellschaft sangen die Männchen zudem mehr und länger, als wenn sie andere Artgenossen begleiteten. Besonders interessant war jedoch das Verhalten der Sänger, wenn zu ihrer kleinen Gruppe ein weiteres, einsames Männchen stieß: In diesen Fällen hörten sie sofort auf zu singen.

Das deute klar darauf hin, dass die Gesänge nicht dazu dienten, den Rivalen abzuschrecken ? schließlich hätten die singenden Männchen ihre Anstrengungen dann eher verstärkt als sie einzustellen, erklären Smith und seine Kollegen. Folglich sollen die Gesänge die begleiteten Weibchen verführen beziehungsweise ihnen einen guten Eindruck vermitteln. Ob die Männchen mit dieser Strategie Erfolg haben, können die Forscher zumindest bisher noch nicht sagen ? noch nie wurde nämlich ein tatsächlicher Geschlechtsakt bei den Tieren beobachtet. Auch warum die Männchen Mütter mit jungen Kälbern bevorzugen, ist bislang unklar. Möglicherweise lösen sie mit dem Singen bei den Weibchen die nächste fruchtbare Phase aus, oder sie steigern die Wahrscheinlichkeit, während einer solchen Phase an Ort und Stelle zu sein. Vatergefühle sind es jedoch mit hoher Sicherheit nicht: Buckelwalmännchen haben keinen Anteil an der Aufzucht des Nachwuchses.

Joshua Smith (Universität Queensland in Brisbane): et al.: Animal Behaviour, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.anbehav.2008.02.013 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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