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Umwelt+Natur

Warum zwei Geschlechter besser sind als eins

Die meisten Tiere und Pflanzen haben zwei Geschlechter statt einem, weil es auf diese Weise seltener zu Inzucht kommt. Das ist das Ergebnis eines aufwändigen Computermodells, in dem zwei Wissenschaftler die Entwicklung einer eingeschlechtlichen und einer zweigeschlechtlichen Gesellschaft simulierten. Dabei war das zweigeschlechtliche System dem eingeschlechtlichen klar überlegen, berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Science.

Obwohl frühere Computersimulationen gezeigt hatten, dass eine Gesellschaft mit nur einem Geschlecht durchaus stabil sein kann, hat die Natur trotzdem bei fast allen Tier- und Pflanzenarten zwei Geschlechter angelegt. Um zu klären, warum sich dieses aufwändigere System durchgesetzt hat, entwarfen Tamás Czárán von der Universität Budapest und sein Kollege Rolf Hoekstra ein Modell, das sie mit einzelligen Lebewesen ? den hypothetischen Urahnen von Tieren, Pflanzen und Pilzen ? bevölkerten. Die Einzeller in der Simulation vermehrten sich normalerweise ungeschlechtlich durch Teilung, gingen aber hin und wieder zur sexuellen Fortpflanzung über.

Dabei konnten sie sich entweder zweigeschlechtlich über Sperma und Eizelle fortpflanzen oder eingeschlechtlich mithilfe einer einzigen Sorte von Sexzellen. Der Unterschied zu früheren Simulationen bestand in der Art der Kontakte zwischen den einzelnen Individuen: Bei den älteren Modellen war meist angenommen worden, dass jeder jeden anderen gleich häufig trifft. Czaran und Hoekstra berücksichtigten dagegen, dass die Wahrscheinlichkeit, den Nachbarn zu treffen, viel größer ist als die, jemandem beispielsweise vom anderen Ende der Stadt zu begegnen.

Nachdem diese Simulation 2420mal berechnet worden war, hatte sich tatsächlich die zweigeschlechtliche Fortpflanzung durchgesetzt. Die Erklärung der Forscher: Die Nachkommen aus der ungeschlechtlichen Teilungsphase leben in diesem Modell mehr oder weniger eng zusammen. Wenn sich nun wie im eingeschlechtlichen System jeder mit jedem paaren kann, entsteht praktisch ausschließlich Nachwuchs aus Inzucht. Im zweigeschlechtlichen System ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit einem engen Verwandten zu paaren, jedoch nur halb so groß. Insgesamt sind diese Nachkommen wegen der größeren Möglichkeiten der Genkombinationen daher durchsetzungsfähiger, schreiben die Wissenschaftler.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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