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Was Affenmädchen mögen

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In vielen Verhaltensweisen spiegelt sich der Mensch im Schimpansen. Bild: Jürgen Hüsmert / pixelio.de
Weibliche Schimpansenjungtiere spielen mit Stöcken wie Mädchen mit Puppen. Diese Beobachtung haben zwei US-Forscher bei Schimpansen in freier Wildbahn gemacht. Primatenmädchen, nicht jedoch ihre männlichen Artgenossen, behandeln demnach ausgewählte Äste ähnlich wie Affenmütter ihre Babys. Dieses Gebaren verschwindet, sobald die Weibchen ihren ersten Nachwuchs zur Welt bringen. Ein solches geschlechterspezifisches Spielverhalten sei erstmalig bei wildlebenden Primaten beobachtet worden, berichten Sonya Kahlenberg und Richard Wrangham von der Harvard University in Cambridge.

Mädchen spielen lieber mit Puppen, Jungs bevorzugen Autos, das ist durch wissenschaftliche Studien belegt – sogar für Affen: Bei in Gefangenschaft lebenden Schimpansen gaben die Weibchen Puppen den Vorzug, während männliche Artgenossen lieber mit Autos spielten. Für wildlebende Primaten wurde ein geschlechterspezifisches Spielverhalten bislang hingegen nicht nachgewiesen. Allerdings hatten Kahlenberg und Wrangham über die Jahre hinweg immer wieder beobachtet, dass Schimpansen in ihrem natürlichen Umfeld Stöcke fürsorglich hüteten.

Um zu überprüfen, ob vor allem die weiblichen Tiere ein solches Gebaren zeigen, wertete das Forscherteam eine umfangreiche Datensammlung aus: In den Jahren 1993 bis 2006 hatten Kahlenberg und Wrangham gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern eine Gruppe von Schimpansen im Kibale Forest Nationalpark in Uganda beobachtet. Bis zu 52 Tiere umfasste das Affenkollektiv während dieser Zeit und die Forscher verbrachten rund 16.000 Stunden damit, das Verhalten der einzelnen Tiere zu studieren. Die Beobachtungen zeigten, dass Schimpansen Stöcke auf viererlei Weise verwenden: Zum einen dienen sie ihnen als Werkzeuge, um zu prüfen, ob Baumlöcher mit Honig oder Wasser gefüllt sind. Zum anderen setzen sie die Stöcke bei Kämpfen als Waffen ein, oder nutzen sie, wenn sie miteinander spielen.

Vor allem das Spielverhalten des weiblichen Nachwuchses ähnelte dabei stark dem Verhalten der Muttertiere der Gruppe: Die Schimpansenmädchen wiegten die Stöcke hin und her, nahmen sie oft mit an ihre Schlafplätze und trugen sie bis zu vier Stunden mit sich herum, selbst beim Klettern. Dieses außergewöhnliche Gebaren konnten sie sich weder von älteren Weibchen der Gruppe noch von ihren Müttern abgeguckt haben, denn ältere weibliche Tiere spielten nie mit Stöcken. Auch die jungen Schimpansinnen legten das auffällige Verhalten ab, sobald sie ihren ersten eigenen Nachwuchs bekamen. Offensichtlich handele es sich tatsächlich um eine Art von Mutter-Kind-Spiel, erklären die Forscher. Ihre Studie zeige zum ersten Mal, dass ausschließlich weibliche wildlebende Schimpansen Stöcke als puppenähnliches Spielzeug verwenden.

Sonya Kahlenberg und Richard Wrangham (Harvard University in Cambridge) : Current Biology, Bd. 20, Nr. 24 dadp/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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