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Was Ameisen mit der Schoko-Industrie zu tun haben

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Dolichoderus-Ameisen mit Schmierläusen (Pseodococcus) auf einer Kakaofrucht: Die Ameisen fördern zwar die schädlichen Schmierläuse, schrecken aber andere Schädlinge ab. Foto: Universität Göttingen
Weihnachtszeit ist Schokoladenzeit – Unmengen Kakao werden für die Produktion der süßen Köstlichkeit benötigt. Für den Nachschub des Rohstoffes sorgen gewaltige Kakao-Plantagen in südlichen Gefilden. Möglichst hohe Erträge sind hier gefragt – dafür müssen Pflanzenschutzmittel sorgen, die schädliche Bewohner der Monokulturen in Schach halten. Neben Laus, Raupe und Co sind die Kakao-Plantagen allerdings auch die Heimat von verschiedenen Ameisenarten. Bisher war unklar, ob die kleinen Krabbler sich nun gut oder schlecht auf den Ertrag auswirken, denn sie bringen sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich. Eine Studie kommt nun zu dem Fazit: Eine bunte Ameisengesellschaft wirkt sich deutlich positiv auf die Ernte aus. Eine Plantage mit artenreicher Ameisenbevölkerung erzielt demnach zwischen 27 und 34 Prozent mehr Kakaoertrag als Kulturen ohne Ameisen oder nur mit wenigen problematischen Arten.

 

Die Frage, ob Ameisen einen positiven oder negativen Effekt besitzen, liegt keineswegs auf der Hand, betonen die Forscher um Arno Wielgoss von der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. Es gibt viele unterschiedliche Arten, mit verschiedenen Eigenschaften und Verhaltenseisen. Sie können als natürliche Gegenspieler von Schädlingen und durch die indirekte Förderung der Bestäubung wichtige Dienstleistungen für das Ökosystem erbringen. Andererseits können sie aber auch manche Schädlinge fördern und Pflanzenkrankheiten verbreiten. Ein bekanntes Beispiel für eine solche kritische Verhaltensweise ist die „Viehhaltung“ mancher Ameisenarten. Sie betreuen und melken Schmierläuse, die Kakaopflanzen befallen. In der Hauptsache sind diese Schädlinge an den Eiweißen im Pflanzensaft interessiert – Zucker nehmen die Schmierläuse hingegen im Überschuss auf und scheiden ihn deshalb in Form von Honigtau aus. Dieser ist für die Ameisen eine willkommene Futterquelle. Deshalb pflegen und schützen sie die Läuse, schrecken aber wiederum andere Schädlinge ab. Insgesamt stellt sich also die Frage: Wie ist unterm Strich der Gesamteffekt der Krabbler zu beurteilen?

 

Die Mischung macht’s

„Einzelne Ameisenarten können die Kakaoernte sowohl positiv als auch negativ beeinflussen, wobei die positiven Effekte überwiegen“, resümiert Wielgoss das Ergebnis der Feldstudien. Sind die Kakaobäume von natürlich vorkommenden, artenreichen Ameisengesellschaften bevölkert, fällt die Kakaoernte um bis zu 27 Prozent höher aus, als wenn Ameisen von den Kakaobäumen ausgeschlossen sind, so das Ergebnis. Wird eine Ameisengesellschaft allerdings von einer einzigen Ameisenart zahlenmäßig dominiert, fallen die Effekte unterschiedlich aus: Die auf Indonesien einheimische schwarze Kakaoameise weist einen ähnlichen Nutzen auf wie eine artenreiche Ameisenfauna, wohingegen die Invasion einer exotischen Ameise die Ernte um bis zu 34 Prozent verringern kann.

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„Ameisen stehen offenbar im Zentrum eines weitaus komplexeren Netzwerks von Interaktionen mit Schädlingen und Nützlingen von Kakao als angenommen“, sagt Wielgoss. Die Studie zeige, dass es nicht ausreicht, einzelne Effekte der verschiedenen Organismen in Agroökosystemen herauszupicken, um zu bewerten, ob eine Art schädlich oder nützlich ist. Man müsse hingegen die gesamte Lebensgemeinschaft und das System im Auge behalten, um den endgültigen Einfluss auf die Gesamternte bestimmen zu können, betonen die Wissenschaftler.

 

 

 

 

Quellen:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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